Horst Köhler hat ein hartes und rasches Eingreifen der Politik auf den internationalen Finanzmärkten verlangt. "Die Politik muss ihr Primat über die Finanzmärkte zurückgewinnen", sagte der Bundespräsident beim 9. Münchner Wirtschaftstreffen. Er forderte unter anderem ein völliges Verbot sogenannter Leergeschäfte an den Finanzplätzen.

Köhler ist als einstiger Chef des Internationalen Währungsfonds Fachmann auf diesem Gebiet. Als Bundespräsident betrachtet Köhler die Branche nun aus anderer Perspektive – und entsprechend kritisch: Er warnte, ohne eine straffe internationale Regulierung könne sich eine Finanzkrise jederzeit wiederholen.

Er warf der internationalen Finanzindustrie vor, mit unverantwortlichem Treiben und sogenannten Finanzinnovationen zwar ihre eigenen Gewinne in die Höhe getrieben zu haben, aber Risiken für alle anderen zu produzieren. "Die Gewinne haben wenige gemacht, die Verluste muss die Allgemeinheit tragen", beklagte er.

Auch im Zusammenhang mit der Schuldenkrise Griechenlands ist der Finanzmarkt in die Kritik geraten, weil einzelne Institute die Lage des Landes und damit die Gemeinschaftswährung Euro zum Spekulationsobjekt machten. Köhler sagte, der vorherrschende Finanzkapitalismus könne kein Leitbild mehr sein, weil er vor allem auf Pump und Wetten aufbaue.

Bereits vor zwei Jahren hatte der Bundespräsident die Finanzmärkte als Monster bezeichnet, das ganze Staaten und Gesellschaften destabilisiere.

Der "Pumpkapitalismus" untergrabe gar die demokratische Ordnung der westlichen Staaten, warnte Köhler. "Die nächste schwere Krise des Finanzsystems würde, da bin ich mir sicher, nicht allein die Funktionstüchtigkeit unseres Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell infrage zu stellen, sondern auch seine Glaubwürdigkeit."

Der Bundespräsident warf der Politik indirekt vor, sich zu stark den Lobbyinteressen zu beugen. Die internationale Finanzindustrie und ihre Lobbyisten ließen offensichtlich nichts unversucht, um verabredete Maßnahmen zu verwässern. "Zugleich geht das Wetten weiter, es bauen sich schon wieder neue Finanzblasen auf."

Köhler forderte deshalb vier konkrete Schritte der internationalen Gemeinschaft:

– Erstens müssten Banken und auch Hedgefonds gezwungen werden, ausreichend hohes Eigenkapital aufzubauen.

– Zweitens müsse eine internationale Insolvenzordnung dafür sorgen, dass künftig kein Institut und kein Finanzakteur auf eine solche Größe wächst, ab der eine Pleite volkswirtschaftlich verheerende Folgen hätte und deshalb der Staat für sie einspringen müsste.

– Drittens müsse ein internationales Zulassungsverfahren – "eine Art internationaler TÜV" – dafür sorgen, dass nur noch genehmigte Derivate gehandelt werden dürfen.

– Und viertens müssten die Staaten der G-20-Gruppe darauf bestehen, dass sich Finanzakteure an den Kosten für die Bewältigung der Krise beteiligen.