Auch ohne öffentliche Feier zu seinem 80. Geburtstag wird Altkanzler Helmut Kohl mit unzähligen Gratulationen bedacht. Kämen all die Botschaften noch auf dem traditionellen Postweg, würde es eng im Oggersheimer Haus des langjährigen CDU-Chefs.

Übers Internet geht's platzsparender: Auf der von der CDU eingerichtete Website www.helmut-kohl.cdu.de gingen bis zum Samstagnachmittag rund 7600 elektronische Geburtstagsgrüße ein. So schreibt ein Namensvetter des ersten Kanzlers Konrad Adenauer aus Köln: "Sie haben als CDU-Politiker erreicht, wovon andere allenfalls geträumt haben." Herbert Abaecherli aus Caracas bekennt: "Wäre ich Deutscher, hätte ich sie nicht gewählt. Aber nach alldem, was Sie für Deutschland, ohne ihren Nachbarn Böses zuzufügen, geleistet haben, erkenne ich, dass das wohl falsch gewesen wäre."

Die meisten Gratulationen betreffen die Deutsche Einheit. Etliche Absender, ob aus Ost oder West, danken Kohl für seine unermüdlichen Bemühungen um die Wiedervereinigung. So fragt etwa Georg Bierwald aus Oberhausen: "Warum haben Sie für Ihr Werk nicht den Friedensnobelpreis bekommen?"

Herzlich schreibt Thomas Nordmann aus Düren: "Sehr geehrter Herr Altbundeskanzler, lieber Helmut Kohl, als Sie damals abgewählt wurden, konnte ich mir das Leben ohne den 'Gansler' überhaupt nicht mehr vorstellen, so sehr war ich Sie gewöhnt. Lieber Helmut, Du warst, bist und bleibst unser 'Dicker'!! Haste jut jemacht und schönen Feierabend!"

Vertreter der Politik stärkten besonders das Bild des "Kanzlers der Einheit". Kremlchef Dmitrij Medwedjew würdigte die Verdienste des langjährigen deutschen Regierungschefs. Kohl habe sich um die deutsche Einheit und um eine engere gesamteuropäische Zusammenarbeit verdient gemacht, schrieb der russische Präsident in einem Glückwunschtelegramm. Darüber hinaus habe Kohl als Bundeskanzler zu einem Neustart der deutsch-russischen Beziehungen beigetragen. Das Verhältnis stütze sich heute auf einen vertrauensvollen und konstruktiven Dialog, betonte Medwedjew. Damit seien die bilateralen Beziehungen ein wichtiger Faktor für ein stabiles Europa.

Auch Bundespräsident Horst Köhler gratulierte Kohl. In seinem Glückwunschschreiben hob der Bundespräsident Kohls Willen hervor, "aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts Lehren zu ziehen". Kohl sei sein ganzes Leben lang bereit gewesen, "sich für unser Land in die Pflicht nehmen zu lassen". Damit habe er sich Respekt und Vertrauen der Deutschen erarbeitet. Der Bundespräsident dankte Kohl auch persönlich für seinen Rat.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hob insbesondere seine Verdienste um die deutsche und die europäische Einigung hervor. "Nicht umsonst sind Sie heute Ehrenbürger Europas und werden als großer Staatsmann in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingehen", sagte Merkel in ihrer Ansprache auf der CDU-Internetseite.

Kaum einer spricht die heikle Spendenaffäre an, die Kohl im Jahr 2000 den Ehrenvorsitz der CDU kostete. Er wollte die Spender nicht nennen, von denen er Geld für die CDU am Gesetz vorbei angenommen hatte. Kohl schweigt dazu bis heute. Zuletzt hatte unter anderem die einflussreiche Senioren-Union anlässlich des runden Geburtstags gefordert, Kohl den CDU-Ehrenvorsitz erneut anzubieten.

Auf sein eigenes Leben blicke er an seinem 80. Geburtstag "mit Dankbarkeit und Glück" zurück, sagte Kohl der Bild-Zeitung. "Mein Leben hat einen Sinn gehabt. Die wichtigsten Entscheidungen würde ich alle wieder so treffen", erklärte der frühere Bundeskanzler. Seinen runden Geburtstag wollte Kohl am Ostersamstag im kleinen Kreis in seiner Heimatstadt Ludwigshafen feiern. Eine offizielle Feierstunde ist Anfang Mai geplant.