Am Anfang hört sich Gesine Lötzsch fast an wie Angela Merkel. "Wir müssen den Leuten klar machen, dass wir den Griechen helfen müssen, weil die Eurokrise Deutschland mit voller Wucht trifft", sagt die designierte Vorsitzende der Linkspartei, die zugleich haushaltspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. Das hätte die Kanzlerin kaum besser formulieren können. Nur den Hinweis, dass die "Leichtmatrosen von der FDP" bereit seien, Europa fallen zu lassen, um in Nordrhein-Westfalen über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen, den hätte Merkel sich wohl verkniffen.

Lötzsch ist an diesem Morgen in die Bundespressekonferenz in Berlin gekommen, um sich gemeinsam mit ihrem künftigen Co-Vorsitzenden Klaus Ernst als neues Spitzenduo der Linkspartei zu präsentieren. Mitte Mai wollen die beiden auf einem Parteitag gewählt werden. Da kann es nicht schaden, vorher für ein wenig Publicity zu sorgen.

Um Griechenland geht es dabei natürlich auch. Und doch scheint der Ton, den Lötzsch bei diesem Thema anschlägt, für die künftige Linkenchefin bezeichnend zu sein. Verbalradikalismus ist jedenfalls nicht die Sache von Lötzsch, die in dem künftigen Duo nicht nur das weibliche, sondern auch das ostdeutsche Element zu vertreten haben wird. Für polternde Polemik bekannt ist dagegen ihr Nebensitzer Klaus Ernst. Der frühere SPD-Mann und Gewerkschafter hat seine Vorliebe für derbe Sprüche schon vielfach unter Beweis gestellt, an diesem Morgen hält er sich auffallend zurück.

Viel ist in den vergangenen Wochen über eine Radikalisierung der Linkspartei gesprochen und geschrieben worden. Schuld daran war der Entwurf für ein Grundsatzprogramm, das noch der scheidende Parteivorsitzende Oskar Lafontaine geprägt hat, sein politisches Testament gewissermaßen. In diesem wird eine Verstaatlichung bestimmter Wirtschaftsbereiche und die Abschaffung von Privatbanken ebenso gefordert wie die Auflösung der Nato. In der Partei ist das Papier freilich höchst umstritten.

Was wird nun unter der neuen Führung aus diesem Entwurf? "Die Grundrichtung bleibt", versicherte Gesine Lötzsch zwar pflichtgemäß. Aber natürlich werde sich an dem Entwurf auch noch vieles ändern, ansonsten müsste man ihn ja nicht bis Ende 2011 diskutieren.

Ernst wiederum beteuert, "am politischen Kompass" werde sich nichts ändern. "Wir werden den Kurs halten." Doch die konkreten Punkte, die er dann nennt, sind die altbekannten Forderungen der Linkspartei. Der Begriff "demokratischer Sozialismus", der in dem Programmentwurf postuliert wird, fällt dagegen kein einziges Mal. Wichtigster Gegner der Linken sei nicht die SPD oder die Grünen stellt Ernst zudem klar, sondern die "neoliberale FDP" und die Union.