Am Donnerstagmorgen sind die Stuhlreihen im großen Plenarsaal des Bundestags fast komplett gefüllt. Eine Regierungserklärung der Kanzlerin zum deutschen Afghanistan-Einsatz wird erwartet, das Thema beschäftigt das politische Berlin. Als Angela Merkel ans Rednerpult tritt, geht ihr Blick noch einmal in Richtung ihrer Fraktion, dann legt sie los. 20 Minuten spricht die Kanzlerin. Die Erwartungen an diese Rede sind hoch.

Merkel muss den Einsatz verteidigen, ohne in Kriegsrhetorik zu verfallen. Zudem haben zahlreiche Politiker in den vergangenen Tagen gefordert, Merkel müsse den Konflikt in Afghanistan zur Chefsache machen. Doch das, was die Kanzlerin schließlich sagt, ähnelt stark ihren Regierungserklärungen aus der Vergangenheit. Sie spricht viel über die Tapferkeit der Truppe und über den Mut des Einzelnen. "Unsere im Einsatz gefallenen Soldaten waren tapfer", sagt die Kanzlerin. Sie hätten sich der Gefahr gestellt. "Tapferkeit ist ohne Verletzbarkeit nicht denkbar." Und sie fordert vom Parlament die Tapferkeit, zu bereits gefällten Entscheidungen zu stehen. Das Mandat für den Afghanistan-Einsatz stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. Es müsse nicht verändert werden.

Merkel verliest die Namen der in den vergangenen drei Wochen in Afghanistan gestorbenen Männer der Bundeswehr. Drei Soldaten fielen am Karfreitag, vier starben in der vergangenen Woche. So viele Tote im Kampfeinsatz innerhalb weniger Tage hatte die Bundeswehr noch nie zu beklagen.

In Merkels Rede geht es vor allem um Verteidigung. Am Hindukusch werde auch Deutschlands Sicherheit verteidigt, zitiert die Regierungschefin einen früheren Verteidigungsminister der SPD. "Der berühmte Satz Peter Strucks bringt es für mich auf dem Punkt. Bis heute hat es niemand treffender ausdrücken können." Die deutschen Soldaten seien gefallen, weil sie den Terrorismus bekämpfen wollten.

Die Regierung und das Parlament müssten immer wieder klar machen, warum Soldaten in ferne und gefährliche Länder geschickt werden. "Ja, warum denn", ruft ein Parlamentarier der Linkspartei dazwischen.

"Dieser Staat verlangt von seinen Soldaten viel, sehr viel. Aber niemals wird er sie missbrauchen", sagt Merkel und verweist auf eine Rede von Altkanzler Helmut Schmidt. Überhaupt zitiert sie viel in ihrer Rede. Die markantesten Worte kommen von anderen: Von Barack Obama, von Peter Struck und von einem Hauptfeldwebel. Merkel nutzt sie als Fürsprecher. Sie findet kaum eigene Erklärungen für den Einsatz.