Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Gespräche über Milliarden-Nothilfen für Griechenland rasch zu beenden. Es sei vollkommen klar, dass diese Verhandlungen mit der griechischen Regierung "beschleunigt geführt" werden müssten, sagte die Kanzlerin in Berlin nach einem Treffen mit dem Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Sie hoffe, dass die Beratungen "in den nächsten Tagen" beendet würden. Auf Grundlage der Ergebnisse werde die Bundesregierung dann eine Entscheidung über Notkredite für das hoch verschuldete Griechenland treffen.

Deutschland wolle seiner Verpflichtung zur Stabilisierung des Euro-Raumes nachkommen. Voraussetzung sei allerdings, dass Athen ein "anspruchsvolles Programm" zur Konsolidierung akzeptiere und Vertrauen der Märkte in Griechenland wiederherstelle, sagte Merkel. "Auf dieser Grundlage wird Deutschland seine Entscheidung treffen", sagte die Kanzlerin.

Griechenland braucht zur Abwehr einer Pleite in den nächsten Jahren deutlich mehr Finanzhilfe als bisher angenommen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach von insgesamt 135 Milliarden Euro bis 2012. Oppositionsvertreter gingen nach Treffen mit IWF-Chef Strauss-Kahn und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, von bis zu 120 Milliarden Euro Konsolidierungsbedarf aus. EU und IWF teilen sich die Summe nach bisheriger Verabredung im Verhältnis 2:1.

Auf Deutschland kommen laut Brüderle 25 bis 30 Milliarden in diesem Zeitraum zu. Die jährliche Belastung für Deutschland liege bei 8,4 Milliarden Euro. Die Risiken könnten aber weit größer sein: "Ich kann nicht ausschließen, dass es ein höherer Betrag wird", sagte Brüderle.

Die Finanzkrise der Griechen hatte sich verschärft, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's griechische Staatsanleihen auf Ramschniveau heruntergestuft hatte. Die Regierung in Athen erhält dadurch nahezu keinen Kredit mehr, sie braucht bis spätestens 19. Mai aber um die 8,5 Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen.

Zusätzliche Hektik löste die Nachricht aus, dass auch das ebenfalls mit Defiziten kämpfende Portugal erneut herabgestuft wurde. Am Mittwochabend folgte dann Spanien, das Standard & Poor's um eine Note von "AA+" auf "AA" senkte. Die EU-Staaten gerieten unter enormen Druck, eine Kettenreaktion zu vermeiden. International erlitten die Aktienmärkte Verluste. Der Euro fiel auf einen der niedrigsten Stände seit einem Jahr.

IWF und EZB setzen Griechenland massiv unter Druck, schnell ein Drei-Jahres-Sparpaket zu schnüren. Es sei extrem wichtig, dass die Gespräche in Athen innerhalb der nächsten Tage beendet würden, sagte Trichet nach einem Treffen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Strauss-Kahn sagte: "Jeder Tag, der verloren geht, verschlechtert die Situation." EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigte ein Gipfeltreffen der Euro-Länder für den 10. Mai an.

Die Bundesregierung richtete einen Krisenstab ein. Schäuble warb bei den Fraktionen um schnelle Zustimmung zu einer Gesetzesvorlage, die die Staatsbank KfW zur Zahlung der Griechenlandhilfen ermächtigt. Bereits am Montag könnte das Kabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschieden. Dann könnte der Bundestag debattieren und abstimmen. Auch der Bundesrat soll einbezogen werden, der am Freitag kommender Woche tagt. Die Opposition signalisierte inzwischen – falls die notwendige Transparenz eingehalten werde – diesen engen Zeitplan zu akzeptieren.

Die Bundesregierung lehnte eine von den Fraktionen im Bundestag geforderte Beteiligung von Banken am Rettungsplan ab. Die Parlamentarier lenkten in Gesprächen mit ZEIT ONLINE unterdessen ein: SPD-Vizefraktionschef Joachim Poß beharrt zwar nicht auf einer Umschuldung, sagte aber, Voraussetzung für die Zustimmung der SPD werde sein, dass man in Deutschland eine echte Bankenabgabe bekomme. Zwar brauche man eine ordentliche Beratung, dies schließe aber ein Eilverfahren nicht aus.