CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn hat sich dem Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) angeschlossen. "Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen", sagte er der Welt. Auch Menschen mit einer zwei oder drei im Abitur könnten gute Ärzte werden. Die Hochschulen könnten 20 bis 30 Prozent der Medizinplätze für Bewerber reservieren, die sich verpflichten, danach in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen.

Rösler will den Zugang zum Ärzteberuf durch die Abschaffung des Numerus clausus erleichtern und so dem Ärztemangel vor allem in ländlichen Gebieten entgegensteuern. "Wir haben zwar viele Interessenten, aber nur für jeden Vierten einen Studienplatz, so dass der Numerus clausus mit einem Notendurchschnitt von 1,4 sehr hoch ist", sagte Rösler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er plädierte für eine stärkere Gewichtung der von einigen Hochschulen bereits praktizierten Auswahlgespräche mit angehenden Studenten.

Schon seit Jahren warnen Ärzteverbände und Krankenhäuser vor einem Medizinermangel. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es an niedergelassenen Ärzten. Nach Angaben Röslers gibt es auf dem Land einen erheblichen Ärztemangel. Jeder zweite der 150.000 niedergelassenen Ärzte sei über 55 Jahre alt.

Die FAZ berichtete, Rösler orientiere sich bei seinen Überlegungen am Modell der Bundeswehr, für deren potenzielle Ärzte bei der zentralen Studienplatzvergabe ein bestimmter Anteil reserviert sei. Wie groß eine solche Vorabquote für Landärzte ausfallen könnte und wer nach welchen Kriterien die Kandidaten auswählen solle, sei noch offen. Das Gesundheitsministerium bestätigte auch Überlegungen Röslers für einen Demografie-Faktor in der Bedarfsplanung für Ärzte. Die aktuelle Planung mit dem Jahr 1990 als Basis gebe den Versorgungsbedarf der Bevölkerung nur unzureichend wieder, hieß es dazu in dem Bericht.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach, schränkte ein, eine Senkung des Numerus clausus funktioniere nur, wenn es mehr Studienplätze gebe. Sie schlug ein Sonderprogramm vor, das der Bund "über einige Jahre anfinanzieren" könne und das dann in die Trägerschaft der Länder übergehe. "Das wäre eine Ergänzung zum Hochschulpakt und könnte Bestandteil des Zwölf-Milliarden-Programms der Bundesregierung werden."

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, unterstützte Röslers Pläne. Zur Abiturnote müssten aber weitere Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium hinzukommen, sagte er der Welt. So sollten das Engagement im Gesundheitswesen als Pfleger oder Sanitäter oder Studiengänge berücksichtigt werden, die mit der Medizin kompatibel seien.

Der Hartmannbund beurteilte die Vorschläge hingegen skeptisch. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass Rösler den Ärztemangel als Fakt und Problem diagnostiziert habe, sagte Verbandschef Kuno Winn. Die Vorschläge ließen aber keine Besserung erwarten. Auch sei es eher unwahrscheinlich, dass ein angehender Medizinstudent bereit sei, sich darauf festzulegen, wo er in mehr als zehn Jahren praktizieren werde, gab Winn mit Blick auf die angedachte "Landarztquote" zu bedenken.