Dass Peter Ramsauer, der stets braun gebrannte Verkehrsminister mit den silbergrauen Haaren, deutliche Worte liebt, hat er in seiner Zeit als CSU-Landesgruppenchef unter Beweis gestellt. Unvergessen sein Kampf gegen die Vätermonate, die die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen einführte. "Wickelvolontariat", schimpfte Ramsauer.

Als Verkehrsminister ist der 56-jährige gelernte Müllermeister und promovierte Betriebswirt zu mehr Zurückhaltung verpflichtet. Da mag es seinem Naturell entgegen gekommen sein, dass ihm die Angriffe der Fluggesellschaften auf sein Krisenmanagement in Sachen Vulkanasche endlich wieder einmal Gelegenheit zum Poltern geben – und das zur besten Sendezeit und auf allen Kanälen.

"Für mich steht Sicherheit an erster Stelle. Es wäre beinahe zynisch und mit mir politisch nicht machbar, Umsatzeinbrüche gegenzurechnen mit irgendeinem nicht vertretbaren Risiko für Leib und Leben von Passagieren", schimpfte er am Montagmorgen im Deutschlandfunk und wiederholte, was er abends zuvor schon ARD und ZDF gesagt hatte.

Auch dass die Fluggesellschaften den deutschen Staat wegen der teuren Ausfälle, die sie wegen der seit fünf Tagen andauernden Flugverbote zu gewärtigen haben, mit Regressforderungen drohen, kann einen Ramsauer nicht erschüttern. "Die Fluggesellschaften wissen, dass sie vom Wetter abhängig sind", wies er die Fordernden barsch ab. Und allen, die immer noch hoffen sollten, dass "Ramses" angesichts des wirtschaftlichen Drucks vorzeitig weich werden könnte, hält er per Bild-Zeitung diese düstere Prognose entgegen: "Witterungsbedingt" werde sich an der gegenwärtigen Lage in den kommenden Tagen wohl nichts ändern.

Nun kann man fragen, ob es klug ist, dass ein Verkehrsminister den großen Fluggesellschaften des Landes unterstellt, ihnen ginge Sicherheit nicht über alles. In München dürfte man sich über den Auftritt des Verkehrsministers gleichwohl gefreut haben. Denn die CSU gibt sich zwar gerne wirtschaftsfreundlich. Doch gibt es natürlich viel mehr potenzielle Fluggäste, die um ihre Sicherheit fürchten, als Airlines, die Verluste machen. Da kann es nicht schaden, dass einer aus den eigenen Reihen mal wieder deutlich macht, dass die CSU die Partei des gezügelten Kapitalismus ist. Profit ist eben nicht alles.

Für Ramsauer ist die Vulkanasche-Geschichte eine hübsche Gelegenheit, sich zu profilieren. Bevor er vor sechs Monaten ins Amt kam, galt er politisch als angeschlagen. Von Parteichef Horst Seehofer werde er gemobbt, hieß es damals. Andere, weit jüngere Talente der Partei wurden Minister, Ramsauer blieb, was er war. Mit seiner Berufung ins Verkehrsministerium nach der Bundestagswahl verband die eigene Partei vor allem die Hoffnung, er werde von seinem 15 Milliarden schweren Etat möglichst viel Geld für den Straßenbau in Bayern abzweigen.

Ob das geklappt hat, ist noch offen. Festhalten kann man allerdings, dass der als durchsetzungsstark geltende Vater von vier Töchtern schnell daran ging, dem Ministerium seinen eigenen Stempel aufzudrücken.