Kurz nachdem Hessens Ministerpräsident Roland Koch am Mittwoch mit seinem angekündigten Rücktritt die politische Bombe des Tages hatte platzen lassen, kursierte auch schon der Name seines potenziellen Nachfolgers: Volker Bouffier, der hessische Innenminister, werde Koch in Hessen beerben, berichteten mehrere Medien.

Koch selber schwieg dazu zunächst wie es sich gehört. Zugleich allerdings hatte er für den gleichen Abend eine Konferenz der Kreisvorsitzenden einberufen, an der auch der Landesvorstand der hessischen CDU teilnahm. Dort wurde Bouffier dann tatsächlich für das Amt des hessischen CDU-Vorsitzenden nominiert, und das sogar einstimmig. Dass er auch der nächste Ministerpräsident wird, ist damit so gut wie sicher.

Überraschend ist diese Entwicklung höchstens deshalb, weil Bouffier derzeit politisch in ziemlichen Kalamitäten steckt. Ein Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags befasst sich mit der Frage, ob der Innenminister rechtswidrig handelte, als er einen Parteifreund zum Chef der Bereitschaftspolizei machte.

Davon abgesehen ist Bouffiers Nominierung nahe liegend. Der 58-Jährige, ein enger Weggefährte Kochs seit den gemeinsamen Tagen in der Jungen Union, gilt seit Jahren als dessen Thronfolger. In Hessen hatte er sich deswegen bereits den Spitznamen "Prinz Charles" eingehandelt.

Zudem ist er sowohl stellvertretender Ministerpräsident als auch stellvertretender Parteivorsitzender. Auf dem Landesparteitag der CDU 2008 erhielt er mit 96,3 Prozent nicht nur das beste Ergebnis aller Koch-Stellvertreter. Die Zustimmung zu ihm war sogar höher als die zu Koch selbst.

Mit diesem verbindet ihn eine lange gemeinsame Zeit: 1987 wurde Bouffier Staatssekretär unter Kochs Vater, dem damaligen hessischen Justizminister. Als die Macht später an Rot-Grün verloren ging, kämpfte er sich mit Sohn Roland durch die Oppositionszeit. Sein Verhältnis zu Koch junior sei – so sagte er es einmal dem Stern – geprägt durch die Erfahrung des Zusammenstehens in schwierigen Zeiten, durch Treue und Loyalität.

Politisch haben die beiden vieles gemeinsam. Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth nennt Bouffier gar einen politischen Zwilling Kochs. Einen inhaltlichen Wechsel dürfte es mit dem Übergang von Koch auf Bouffier kaum geben, sagen auch Parteifreunde.