Wer an diesem Abend in die CDU-Parteizentrale in Berlin gekommen ist, um dort den Wahlabend zu verfolgen, der hat es nicht in Partylaune getan. Dass es hier nichts zu feiern geben wird, steht im Prinzip seit Monaten fest. So lange nämlich sagen Umfragen bereits den Machtverlust für die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen und damit der Bundesratsmehrheit für die Regierung in Berlin voraus.

An einem der weißen Stehtische hält sich der 68-jährige Julius Wenzel an seinem Bier fest. "Das wird wohl eine mächtige Ohrfeige werden", gibt sich der Berliner CDU-Mann illusionslos. Die Bestätigung erfolgt um Punkt 18 Uhr. Bei nur noch 34,5 sieht die erste Prognose die CDU. Es ist das schlechteste Ergebnis, das die Partei in Nordrhein-Westfalen je erhalten hat und ein Absturz um zehn Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Wahl.

Unklar ist damit auch, ob die CDU wenigstens ihr Minimalziel, nämlich wenigstens stärkste Fraktion zu werden, erreicht hat.CDU und SPD liegen zunächst gleichauf, im Laufe des Abends verschiebt sich der Vorteil um wenige Zehntel Prozentpunkte mal in die eine, mal in die andere Richtung.

Als CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe um 19 Uhr im Konrad-Andenauer-Haus vor die wenigen noch verbliebenen Parteianhänger tritt, klammert er sich an den Hoffnungsschimmer, der ihm nun noch bleibt. "Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir hoffen dass wir am Ende die Nase vorne haben", sagt er.

Tatsächlich ist zu diesem Zeitpunkt nicht gesagt, dass die Wahl für die CDU am Ende nicht doch noch glimpflich ausgehen könnte. Eine Große Koalition unter CDU-Führung ist ebenso wenig ausgeschlossen wie ein schwarz-grünes Bündnis.

Dass man gleichwohl "überaus schmerzhafte Verluste" hinzunehmen habe, bestreitet Gröhe nicht. Unter den drei Gründen, die er als Ursache für die Wahlschlappe ausmacht, nennt er in ungewohnter Offenheit als erstes den holprigen Start der christlich-liberalen Koalition in Berlin. Das ist auch ein Seitenhieb in Richtung des Koalitionspartners FDP. Nur wenig später wird Gröhe in der ARD-Wahlrunde dessen Lieblingsprojekt, nämlich Steuerentlastungen, in Frage stellen - und zwar auch für das Jahr 2012. 

Beeinflusst wurde das Wahlergebnis nach Ansicht von Gröhe aber auch von der Griechenland-Krise, und natürlich von "landespolitischen Probleme". Gemeint sind die Affären der NRW-CDU.

Dass die Bundesratsmehrheit für Schwarz-Gelb nun weg ist, ist – glaubt man Gröhe – dagegen kein ganz so großes Drama für die Koalition in Berlin. Schon bisher habe man schließlich um die Mehrheit in der Länderkammer ringen müssen, wiederholt er ein Argument, mit dem sich die Regierenden bereits seit längerem auf ihre erwartbare Niederlage einzustellen versucht haben.

Und was wird nun aus dem gescheiterten Arbeiterführer Jürgen Rüttgers? Es sei völlig falsch, nun Personaldiskussionen zu führen, sagt Gröhe.

Geführt werden sie dann natürlich trotzdem, hinter vorgehaltener Hand. Wenn es Rot-Grün gebe, so lautet eine Vorhersage an diesem Abend, könne Rüttgers durchaus Oppositionsführer bleiben. Undenkbar sei dagegen, dass er Minister in einer Großen Koalition unter der Führung von Hannelore Kraft werde.