Schon aus der CDU gab es massive Kritik an der Führung von Partei und Bundestagsfraktion . Jetzt verschärft auch die CSU die Kritik am Krisenmanagement von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und droht sogar damit, dem Gesetz zur Stabilisierung des Euro nicht zuzustimmen, das in dieser Woche in verabschiedet werden soll. Es geht um bis zu 750 Milliarden Euro, Deutschlands Anteil liegt bei 123 Milliarden.

"Bei Projekten dieser Tragweite muss ein Höchstmaß an Transparenz herrschen", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem Handelsblatt . Die bisherige Informationspolitik der Bundesregierung nach innen wie nach außen sei deutlich verbesserungsfähig. Seine Partei erwarte, in der Zukunft "umfassend und ohne Aufforderung informiert zu werden".

Auch CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich kritisierte die Kommunikationspolitik der Kanzlerin. "Man kann in schicksalhaften Momenten für unser Land und für Europa nicht nur hinter verschlossenen Türen und in geschlossenen Zirkeln Rettungsinstrumente und Rettungswege aushandeln", sagte Friedrich der Süddeutschen Zeitung . Man müsse die Bevölkerung offen informieren und Entscheidungen nachvollziehbar machen.

Vor allem erzürnt die CSU, dass beim Krisentreffen von Teilen des Kabinetts bei der Kanzlerin am Sonntagabend kein einziger CSU-Minister hinzugezogen wurde. "Es kann nicht sein, dass die CSU bei einer so wichtigen Besprechung wie der zum Euro-Rettungspaket nicht mit am Kabinettstisch sitzt", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Georg Nüßlein.

Die Kanzlerin müsse sich dann auch nicht wundern, wenn die CSU "nicht in ihrem Sinne abstimmt". Schwere Vorwürfe erhob beim Treffen der CSU-Landesgruppe auch Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Das Handelsblatt zitierte Glos, Merkels Krisenmanagement sei "schlecht", "von Griechenland bis NRW". Nach Informationen des Handelsblatts haben mehrere Vertreter der CSU-Spitze der Kanzlerin ihre Vorbehalte am Dienstag in verschiedenen internen Runden wie dem Kabinettsfrühstück deutlich gemacht.

Das Bundeskabinett in Berlin hatte in einer Sondersitzung einen Gesetzentwurf beschlossen, der eine Beteiligung Deutschlands an dem neuen Finanzpaket mit mindestens 123 Milliarden Euro vorsieht. Nach Informationen der Zeitung hatten mehrere Vertreter der CSU-Spitze der Kanzlerin zuvor ihre Vorbehalte zu dem Entwurf in verschiedenen internen Runden deutlich gemacht.