Führende FDP-Politiker haben ihre Parteikollegen in Nordrhein-Westfalen zu Sondierungen mit SPD und Grünen über eine Ampel-Koalition aufgefordert. "Sich allen Gesprächen zu verweigern, ist doch ein Sandkastenspiel von Kleinkindern", sagte Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki. Er rate seiner Partei, das Gesprächsangebot von SPD-Landeschefin Hannelore Kraft anzunehmen. Zugleich müssten die Liberalen aber konkrete Bedingungen für eine gemeinsame Regierung mit Sozialdemokraten und Grünen formulieren. Kraft könne von seiner Partei nicht erwarten, ihr komplettes Programm auf den Kopf zu stellen, sagte der Chef der FDP-Fraktion in Schleswig-Holstein.

FDP-Vizechefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wandte sich mit Blick auf Nordrhein-Westfalen "gegen jede Ausschließeritis". Die Entscheidung für oder gegen eine Koalition müsse man "an Inhalten festmachen und sehen, was geht mit wem", sagte die Bundesjustizministerin. Wenn es zu Verhandlungen komme, müsse die FDP aber als gleichberechtigter Partner am Tisch sitzen.

Auch FDP-Fraktionsvize Jürgen Koppelin plädierte an die NRW-Liberalen, sich Gesprächen über eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen nicht prinzipiell zu verweigern. "Grundsätzlich sollte man eine Ampel nicht ausschließen", sagte er. SPD und Grüne müssten der FDP aber entgegenkommen und aufzeigen, wo es inhaltliche Schnittmengen gebe.

Die SPD forderte die Liberalen abermals auf, ihr striktes Nein zu Verhandlungen mit Rot-Grün zu überdenken. "Die FDP sollte noch einmal in sich gehen, ob sie wirklich Sondierungsgespräche verweigert", sagte Generalsekretärin Andrea Nahles.

Die Sozialdemokraten wollen in NRW ab Donnerstag mit der CDU die Möglichkeiten zur Bildung einer großen Koalition ausloten. Zugleich hatte die SPD den Liberalen am Wochenende erneut Avancen für eine Ampelkoalition gemacht.

Die nordrhein-westfälische FDP hatte die Einladung von Rot-Grün vor zwei Wochen allerdings ausgeschlagen , weil beide Parteien parallel auch der Linken Sondierungen angeboten hatte, die die FDP als verfassungsfeindlich einstuft. FDP-Landeschef Andreas Pinkwart hatte als klare Bedingung für Sondierungen benannt, dass SPD und Grüne überhaupt keine Gespräche mit der Linkspartei führen. Inzwischen sind die Sondierungen zwischen Rot-Rot-Grün gescheitert. Gleichwohl hieß es von der Partei, es gebe keinen neuen Sachstand. "Wir haben dazu alles gesagt", sagte eine Sprecherin.

Nach dem Wahldebakel für Schwarz-Gelb bei der NRW-Wahl werden in der Partei zunehmend Stimmen laut, die FDP solle sich nicht länger an die Union als Koalitionspartner kletten. Dahinter steht auch eine massive Unzufriedenheit mit der Union im Bund. So wird von Liberalen beklagt, dass diese ihrem kleinen Koalitionspartner zu wenig Erfolge gönne und die für ihn zentralen Projekte nach und nach verwirft. 

FDP-Vorstandsmitglied Johannes Vogel plädierte dafür, die Gemeinsamkeiten zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie wiederzuentdecken. Dies müsse sich dann auch in gemeinsamen Regierungen niederschlagen, schreibt der frühere Chef der Jungen Liberalen. "Die Liebe der Union zur Stagnation ist zu groß, als dass die FDP ihr eine exklusive Partnerschaft für alle Zeit und jede politische Ebene garantieren sollte."