Die 29-Jährige teilte mit, sie wolle Mitte Juni auf dem Juso-Bundeskongress in Essen nicht erneut kandidieren. Ihre reguläre Amtszeit wäre erst im nächsten Jahr abgelaufen.

Die Gründe seien ausschließlich privater Natur. Die Berlinerin sagte, sie wolle ihrer beruflichen Ausbildung Vorrang einräumen. Drohsel hat Jura studiert und gerade mit ihrem Referendariat begonnen, das mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Die Juristin forschte für ihre Promotion zum Thema Koalitionsfreiheit.

"Ich habe den Juso-Bundesvorsitz nie als Sprungbrett in die Berufspolitik gesehen", sagte Drohsel, die auch Gründungsmitglied der linken Denkfabrik Institut Solidarische Moderne ist. "Der Juso-Verband ist in einem guten Zustand, so dass ich diese Entscheidung auch politisch verantworten kann", sagte sie. In den letzten Jahren sei das Profil als linker Jugendverband geschärft worden.

Drohsel, die ihre Briefe stets "mit sozialistischen Grüßen" zeichnet, hatte immer wieder die Agenda-Politik der SPD kritisiert. Sie warb für eine Annäherung an die Linken. Mit einzelnen Linkspartei-Politikern wie Vorstandsmitglied Katja Kipping verband sie eine inhaltliche Zusammenarbeit.

Die erste Frau nach drei Männern an der Spitze war vor ihrer Wahl 2007 bereits zwölf Jahre bei den Jusos aktiv. Sie gilt als zielstrebig und durchsetzungsfähig. Ihr wird viel politisches Potenzial bescheinigt.

Kurz nach ihrer Wahl 2007 war Drohsel wegen der Mitgliedschaft in der "Roten Hilfe" in die Kritik geraten. Die Organisation unterstützt Aktivisten der linken Szene, die mit staatlichen Organen in Konflikt gekommen sind.