ZEIT ONLINE: Herr Langguth, Roland Kochs Rücktrittsankündigung kam für Freund und Feind völlig überraschend. War das ein Schnellschuss?

Langguth: Nein, sicher nicht. Dagegen spricht die Reihenfolge: die Runde der CDU-Kreisvorsitzenden heute Abend, der Landesparteitag im Juni. Das wirkt langfristig geplant. Er wollte sich wohl zu einem Zeitpunkt von der Politik verabschieden, mit dem die wenigsten gerechnet hatten.

ZEIT ONLINE:

War das heute also ein typischer Koch-Coup?

Langguth: Zumindest die Art seines Abgangs hat Seltenheitswert, sich also früh selbst zu entscheiden. Vielleicht war ihm da die Erinnerung an seinen Mentor Helmut Kohl eine Warnung, der ja erst ging, als er von den Wählern abgestraft wurde.

ZEIT ONLINE: Auf der Pressekonferenz heute sagte Koch, Angela Merkel wisse seit einem Jahr, dass er der Politik irgendwann den Rücken kehren wolle. Ob die Kanzlerin nicht doch überrascht war, heute in Abu Dhabi von Kochs Entscheidung zu erfahren?

Langguth: Ich bin sicher, dass sie das schon längst wusste.

ZEIT ONLINE: Den exakten Tag?

Langguth: Auch den Tag. Dass Koch seine Rücktrittsankündigung mit Absicht während Merkels Auslandsreise platziert hat, bezweifle ich. Sie wusste mit Sicherheit vorher von der Entscheidung.

ZEIT ONLINE: Warum also jetzt?

Langguth: Koch wollte nicht aus dem Amt getragen werden müssen, sondern Herr seiner Entscheidungen sein.

ZEIT ONLINE: Da hätte er natürlich noch ein wenig warten können.

Langguth: Ja. Andererseits ist er in jüngster Zeit zur Erkenntnis gekommen, dass ein möglicher Nachfolger für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Thomas de Maizière heißen würde.

ZEIT ONLINE: Das heißt, er macht mit der Politik Schluss, weil er nicht Finanzminister werden konnte?

Langguth: Dadurch mag ihm der Entschluss sicherlich leichter gefallen sein. Ob das der ausschlaggebende Grund für den Rücktritt war, weiß ich nicht. Koch will seine Unabhängigkeit von der Politik demonstrieren.

ZEIT ONLINE: Ist sein Rückzug ein Rückschlag für die Konservativen in der Union?

Langguth: Eindeutig ja. Vor allem, weil es nun kaum noch Konservative gibt, die in wichtigen Ämtern sind.

ZEIT ONLINE: Was ist mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus?

Langguth: Mappus ist noch viel zu frisch im Amt. Er muss sich erst einmal beweisen – und vor allem die Landtagswahl im kommenden Jahr überstehen. Außerdem hat Mappus auch nicht die intellektuelle Strahlkraft und die Erfahrung, die Koch, egal wie man zu ihm steht, auf jeden Fall besitzt.

ZEIT ONLINE: Wer könnte denn Kochs Rolle in der Union übernehmen – oder in sie hineinwachsen?

Langguth: Ich sehe im Moment keinen.