Es war schon ein Anliegen von Kristina Schröder, als sie noch Köhler hieß und Beauftragte der Bundestags-Unionsfraktion für Extremismus und Integration war: Der Bund konzentriere sich zu einseitig auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus, hieß ihr Mantra, er müsse sich auch um linken Extremismus und Islamismus kümmern. Jetzt ist die CDU-Politikerin als Familien- und Jugendministerin für die einschlägigen Programme zuständig – und geht deren Ausweitung an.

Wissenschaftler aus Pädagogik und Sozialforschung warnten nach der Bundestagswahl: Schröder verharmlose den Rechtsextremismus, und es gebe auch gar keine Ansätze für Programme gegen Linksextremisten und Islamisten. Zudem fürchteten sie, die Ausweitung gehe auf Kosten der 24 Millionen Euro, die im Bundeshaushalt für die Programme "Vielfalt tut gut" zur Stärkung von Toleranz und Demokratie und für Beratung gegen Rechtsextremismus eingestellt sind.

Zumindest diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Schröder macht für 2010 zwei Millionen Euro "aus Haushaltsresten" zusätzlich locker gegen Linksextremismus und Islamismus. Die 24 Millionen für die bisherigen Programme bleiben und sind laut Ministerium auch für das kommende Jahr beantragt – zusätzlich zu fünf Millionen Euro für die neuen Projekte.

Schröder nannte jüngst in einem Interview der Frankfurter AllgemeinenZeitung vier mögliche Projektträger: das Zentrum für Demokratische Kultur in Berlin und die Alevitische Gemeinde für Programme gegen Islamismus, den Jugendhof Scheersberg und die Europäische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte (EJB ) Weimar für Projekte gegen Linksextremismus. Damit nahm die Ministerin ihren Kritikern einigen Wind aus den Segeln: Alle vier Träger sind in der pädagogischen Szene anerkannt. Die Aleviten haben die größte Migranten-Jugendorganisation in Deutschland, die drei anderen Träger sind auch in Projekten gegen Rechts aktiv.

Was aber sollen sie mit dem Geld anfangen? Ein Beteiligter bei einer der Einrichtungen sagt, er habe erst einmal einen Termin im Ministerium gemacht, um zu erfahren, was Schröder sich vorstelle. Die Träger haben sich nicht beworben, das Ministerium sprach sie an. Hartmut Piekatz, Direktor des Jugendhofs Scheersberg, sagt immerhin: "Wir freuen uns, dass wir gefragt wurden."

Bislang können die Träger vom Ministerium wenig erfahren, was geplant ist, denn Schröders Beamte sind noch in der "Sondierungsphase", wie man im Ministerium einräumt: "Im Gegensatz zu dem Themenfeld des Rechtsextremismus gibt es in den Bereichen des Linksextremismus und Islamismus deutlich weniger wissenschaftliche Erkenntnisse." Dass Schröder im FAZ -Interview die Erfahrung der EJB "in der Darstellung und Aufarbeitung der totalitären DDR-Diktatur" als Beispiel anführt, zeugt eher von Verwirrung als von klarer Linie: Aus Unterrichtseinheiten zum Stasi-Terror dürfte sich kaum eine Pädagogik gegen autonome Auto-Zündler entwickeln lassen.

Man wolle "im Laufe der nächsten Wochen" Anhörungen veranstalten, heißt es aus dem Ministerium, und dann den Trägern "Rahmenvorgaben machen, anhand derer sie selbstständig Projekte entwickeln sollen". Ein Hauptproblem wird die Frage sein, wie gefährdete Jugendliche zu erreichen sind.