Vertreter der Koalition bedauerten den Rückzug Kochs und beklagten einen "schweren Verlust" für die Politik. Aber auch aus den Reihen der Opposition wurde Bedauern laut, wenn gleich aus ganz anderem Grund: Mit Koch gehe ein streitbarer Gegner der Kanzlerin, sagte Linksparteichefin Gesine Lötzsch. Koch habe nicht zu den Ja-Sagern gehört. "Die CDU wird einen Politiker weniger haben, der Merkel Kontra geben kann."

Der 52-jährige Koch hatte angekündigt, sich aus persönlichen Gründen zum 31. August als Ministerpräsident zurückzuziehen und auch im Herbst nicht mehr zur Wahl als CDU-Vize anzutreten. Politik fasziniere ihn, aber sie sei "nicht sein Leben". Mehr als andere führende Christdemokraten hatte er sich streitbar zu Wort gemeldet, zuletzt mit der Forderung, angesichts knapper Kassen auch die Bildungspolitik nicht vom Sparen auszunehmen.

Auch die Grünen würdigten den angekündigten Amtsverzicht des Wirtschaftsjuristen als Rückzug eines Politikers ohne Zukunftsaussichten. "Pro Atom, contra Integration, contra Bürgerrechte und keine Chance für Bildung – Roland Koch stand viele Jahre für eine Politik ohne Perspektive", sagte Parteichefin Claudia Roth der Rheinischen Post. "Nun sieht er für sich keine Perspektive mehr in der Politik."

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles konstatierte unter Bezug auf den Stimmenverlust der CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, dem Absturz "des Systems Rüttgers" folge  nun der Rückzug des "Systems Koch". Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) könne der Hesse nichts mehr werden. "Daher ist es konsequent, dass Koch heute einen politischen Schlussstrich gezogen hat." SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier sprach von einem "Tritt vors Schienbein der CDU-Führung".

Die FDP zeigte sich gelassen, Parteichef Guido Westerwelle sieht keine politischen Folgen für die schwarz-gelbe Koalition im Bund. "Das ist seine eigene souveräne Entscheidung, die man vor dem Hintergrund seiner Lebensplanung sehen sollte", sagte der Außenminister. Folgen für die Hauptstadt sehe er nicht.

Bei den Unionsparteien überwogen die Worte des Bedauerns. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, die laut Koch bereits seit einem Jahr über dessen Plan informiert war, nahm die Ankündigung des CDU-Vizes "mit Respekt, aber auch großem Bedauern zur Kenntnis". Koch sei ihr stets "ein guter, freundschaftlicher Ratgeber" gewesen, den sie vermissen werde. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sprach von einem "großen Verlust". Andere Parteifreunde aus mehreren Bundesländern lobten die "analytische Stärke" und die "rhetorische Brillanz" des "intellektuellen Kalibers" Koch.

Ähnliches war aus der Schwesternpartei zu hören. "Mit Roland Koch verliert die konservative Grundströmung in der Union einen besonders ausgewiesenen und kompetenten Vertreter", sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) beklagte den Verlust eines "wichtigen politischen Partners" für sein Bundesland, etwa in den Verhandlungen über den Länderfinanzausgleich, wo Hessen mit den beiden südlichen Bundesländern eine Linie verfolgte. Sein Saarländischer Amtskollege Peter Müller beklagte das künftige Fehlen eines der "führenden Köpfe" der Politik.

Koch will eigenem Bekunden nach "ein paar Monate durchatmen" und sich einen Job in der Wirtschaft suchen. Laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird Hessens Innenminister Volker Bouffier neuer Ministerpräsident werden. Als neuer CDU-Bundesvize soll nach Informationen der Rheinischen Post Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich kandidieren.