Die EU-Kommission hat EU-Kreisen zufolge für den neuen Rettungsschirm eine Kapitalausstattung von 60 Milliarden Euro vorgeschlagen. Dazu solle das System der bestehenden Zahlungsbilanzhilfen der EU auch auf die Euro-Länder ausgeweitet werden, hieß es am Sonntag aus EU-Kreisen. Es gab allerdings unterschiedliche Angaben über die Verwendung dieser Mittel. Ein europäischer Diplomat sagte, dies sei als Garantiekapital die Basis dafür, am Kapitalmarkt bis zu zehn Mal so viel Geld aufnehmen zu können. Drei andere dementierten dies.

Die Kommission schlage zusätzlich noch einen Mechanismus vor, nach dem die Euro-Länder so wie beim Rettungspakete für Griechenlands gemeinsam bilaterale Kredite bereitstellen könnten, sagte einer der Diplomaten. Es wäre eine historische Neuerung in der Eurozone, in der es bislang keinen Rettungsmechanismus für bankrottgefährdete Partnerländer wie Griechenland gibt.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten die Sonderkonferenz bei ihrem Gipfel am Freitag einberufen, in der sie dem einmaligen, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket für Griechenland grünes Licht gaben. Das griechische Schuldenfiasko hat zur größten Krise der Euro- Währung geführt, die es seit 1999 gibt. Schwache Mitgliedstaaten wie Spanien und Portugal drohen von den Märkten ebenfalls angegriffen zu werden. "Wir werden den Euro verteidigen", sagte die spanische Finanzministerin und amtierende Ratsvorsitzende Elena Salgado.

Die Europäische Union will noch vor Öffnung der Finanzmärkte am Montag ein Signal geben, dass die Währungsunion zusammensteht. Österreichs Finanzminister Josef Pröll forderte ein Ende der "leeren Floskeln". Es dürfe keine Enttäuschung geben, sagte der schwedische Ressortchef Anders Borg. "Die Finanzmärkte benehmen sich wirklich wie ein Wolfsrudel", sagte Borg. "Wenn wir sie nicht stoppen, werden sie die schwächeren Länder zerreißen, auch wenn die selbst Schuld sind an ihrer Schwäche." Bisher gibt es ein europäisches Hilfssystem zur Unterstützung von Nicht-Euro-Staaten, das mit 50 Milliarden Euro ausgestattet ist. Beobachter erwarten, dass die EU den neuen Mechanismus üppiger ausstatten muss, um glaubwürdig zu sein.