Die Unionsfraktion will den Sitzstreik von Wolfgang Thierse (SPD) zum Thema im  Ältestenrat an diesem Donnerstag machen. "Grundsätzlich gilt der Satz: Ein Parlamentarier kämpft mit Worten im Parlament und nicht auf der Straße gegen die Polizei ", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Stefan Müller (CSU) der Rheinischen Post (Mittwoch-Ausgabe). Deshalb sei es sicherlich sinnvoll, wenn sich Thierse bei der nächsten Sitzung des Ältestenrates erkläre, "warum er sich nicht an dieses demokratische Prinzip gehalten hat", erklärte Müller.

Scharfe Kritik an Thierse kam auch von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). "Herr Thierse sollte sich ernsthaft fragen, wem er mit seiner Sitzblockade geschadet hat – den Neonazis oder unserer demokratischen Rechtsordnung?", sagte die Familienministerin zu Bild.de . "Wie sollen wir Jugendlichen unsere Demokratie erklären, wenn sich selbst ein Bundestagsvizepräsident über das Grundgesetz hinwegsetzt?", sagte Schröder weiter.

Thierse hatte am Samstag in Berlin Blockaden unterstützt, mit denen Tausende Gegendemonstranten einen Aufzug der rechtsextremen NPD weitgehend verhinderten. Er verließ die Blockade erst, als er von Polizisten aufgefordert wurde.

Die Sitzblockade hat für den Bundestagsvizepräsidenten nun möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft nach Angaben eines Sprechers grundsätzlich, ob es einen Anfangsverdacht auf eine Straftat gibt.