Immer mehr Deutsche sind unzufrieden mit der schwarz-gelben Koalition. Nach einer Umfrage im Auftrag der ARD schätzt nur noch jeder fünfte Befragte die Arbeit der Bundesregierung. Demnach sind 78 Prozent der Bundesbürger unzufrieden mit Union und FDP – das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vormonat. So negativ wurde eine Bundesregierung zuletzt im November 2006 bewertet.

Die Krise der Koalition ist dem ARD-Deutschlandtrend zufolge zugleich die Krise von Angela Merkel . Nur noch 48 Prozent sind zufrieden mit der Arbeit der Bundeskanzlerin. Sie verliert zehn Prozentpunkte an Zustimmung – auch für sie der schlechteste Wert seit Herbst 2006.

Damit rutscht die CDU-Chefin in der Politiker-Rangliste hinter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf Platz drei. Noch unbeliebter ist weiterhin Merkels Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP). Er steht auch diesmal am Ende der Tabelle mit unverändert 24 Prozent Zustimmung.

All diese Werte haben auch Auswirkungen auf die Sonntagsfrage. Schwarz-Gelb kommt zusammengerechnet gerade noch auf 40 Prozent. Sowohl CDU/CSU als auch die FDP verloren weiter an Zustimmung. Die Union sackte um zwei Punkte auf 33 Prozent, die Liberalen gaben einen Punkt auf sieben Prozent ab.

Die Opposition dagegen konnte mehr Bundesbürger von sich überzeugen. Die SPD würde der Umfrage zufolge mit 27 Prozent einen Zähler dazugewinnen. Während die Grünen unverändert bei 16 Prozent verharren, verbesserte sich die Linkspartei um einen Punkt auf elf Prozent.

Die Bundesregierung hat damit derzeit im Volk keine Mehrheit mehr – und ist auch nicht mehr die bevorzugte Koalition der Deutschen. Vor die Frage gestellt, ob angesichts der Krise Schwarz-Gelb ihre Arbeit fortsetzen sollte oder eine Große Koalition aus Union und SPD besser wäre, entschied sich eine Mehrheit von 58 Prozent für die letzte Variante. 

Die Wähler beschäftigt vor allem die Euro-Krise. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger blicken der Zukunft der Umfrage zufolge skeptisch entgegen. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise rechnen 54 Prozent damit, dass ihr Lebensstandard in den nächsten Jahren sinken wird.

Sogar zwei Drittel (67 Prozent) der Bundesbürger fürchten um ihre Ersparnisse – das sind 17 Punkte mehr als noch im Juni 2009. Drei Viertel (75 Prozent) der Bundesbürger denken, dass der schlimmste Teil der Krise noch bevorsteht. Dies sind 19 Punkte mehr im Vergleich zum April.

Die Maßnahmen der Regierung zur Stützung des Euro lehnten die meisten ab. 64 Prozent erklärten, die Bürgschaften zur Stützung der Gemeinschaftswährung seien falsch. Nur 31 Prozent befanden sie für richtig. Deutschland beteiligt sich mit Bürgschaften von bis zu 123 Milliarden Euro am Schutzpaket für die europäische Gemeinschaftswährung.

Angesichts der Euro-Krise und der schuldenreichen Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen rechnen die Deutschen fest mit Steuererhöhungen. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) sind sogar der Meinung, dass die fehlenden Milliarden Euro allein durch Steuererhöhungen ausgeglichen werden könnten.

Lediglich 29 Prozent der Befragten an, dass ein Ausgleich ihrer Meinung nach durch Einsparungen möglich sei. Weit über die Hälfte der Befragten (59 Prozent) sprachen sich dafür aus, dass auf keinen Fall der Bereich Bildung/Schule zu kurz kommen dürfe.