Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale waren in den größten Städten des Landes weniger Menschen zur Wahl gegangen als 2005. In Köln und Essen registrierten die Wahlämter um 16 Uhr eine Quote von 46,7 Prozent beziehungsweise von 50,2 Prozent. Das waren knapp zwei Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Insgesamt hatten in NRW damals landesweit 63 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben. Im Jahr 2000 war die Wahlbeteiligung mit 56,7 Prozent auf ihren bisherigen Tiefstand gefallen. In einigen Städten war nach Auskunft der Wahlämter der Anteil der Briefwähler allerdings höher als bei der Landtagswahl 2005.

Fast 13,5 Millionen Bürger im bevölkerungsreichsten Bundesland sind aufgerufen, über die Zusammensetzung des künftigen Landtags und damit über eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition in Düsseldorf abzustimmen. Die Wahl gilt auch als Stimmungstest für die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel. Für sie steht die Mehrheit im Bundesrat und damit die Durchsetzung zentraler Reformvorhaben auf dem Spiel.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wählte in seinem Heimatort Pulheim in der Nähe von Köln: "Die Wahl steht auf des Messers Schneide", sagte er. Er hoffe auf stabile Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen. Seine SPD-Herausforderin Hannelore Kraft gab sich angesichts des erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Schwarz-Gelb und dem von ihr angestrebten rot-grünen Bündnis optimistisch: "Es ist eine harte Strecke gewesen in den fünf Jahren, und das wird sich heute auszahlen."

Mit einer absoluten Mehrheit kann Umfragen zufolge weder die schwarz-gelbe Landesregierung unter Rüttgers noch Rot-Grün unter Führung von Kraft setzen. Zuletzt lagen beide gleichauf, teils wurde Rot-Grün sogar vor Rüttgers' bisheriger Koalition gesehen. Chancen auf einen Einzug in den Düsseldorfer Landtag hat auch die Linkspartei.

Wegen des vorhergesagten knappen Wahlausgangs haben sich die Parteien mehrere Optionen offen gehalten. Weder CDU noch SPD schließen eine große Koalition aus. Die Grünen sind bereit, auch mit der CDU über ein Regierungsbündnis zu verhandeln. Die SPD hat eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht ausgeschlossen, aber stets betont, die Linke sei nicht regierungsfähig.

Lediglich die FDP hat sich festgelegt. Sie will nur mit der CDU regieren. Der Chef der Liberalen in NRW, Andreas Pinkwart, zeigte sich bei seiner Stimmabgabe in Alfter bei Bonn optimistisch: "Wir sind guten Mutes und wollen das Land auch weiter aus der Mitte regieren", sagte Pinkwart.

Rüttgers kämpft nach dem Fehlstart der Bundesregierung mit dem Gegenwind aus Berlin. Zudem machten ihm zuletzt immer neue Meldungen über die zweifelhaften Sponsoren- und Spendenpraktiken seiner Landes-CDU zu schaffen. Im Wahlkampf warnte Rüttgers vehement vor einem rot-rot-grünen Bündnis. Kraft setzte auf die Themen Bildung und soziale Gerechtigkeit, um die SPD in ihrem einstigen Stammland wieder an die Macht zu bringen.

Bei der Landtagswahl 2005 hatte die CDU unter Rüttgers die SPD nach 39 Jahren aus der Regierung verdrängt. Die CDU erreichte damals 44,8 Prozent, die SPD 37,1 Prozent, FDP und Grüne kamen jeweils auf 6,2 Prozent.