Bekommen Christian Wulff und Joachim Gauck eine Mitbewerberin? Die Linke will an diesem Dienstag darüber entscheiden, ob sie eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl nominiert. Die Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst werden der Bundestagsfraktion und Landesvertretern einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Mehrere Medien berichteten, dass es sich dabei um die ostdeutsche Schriftstellerin Daniela Dahn handeln könnte.

Nach dem überraschenden Rücktritt des bisherigen Amtsinhabers Horst Köhler hatten die Linken ursprünglich einen gemeinsamen Vorschlag aller drei Oppositionsparteien angestrebt. SPD und Grüne entschieden sich aber für einen Alleingang und nominierten in der vergangenen Woche den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Gauck (parteilos). Für die Union und die FDP geht der niedersächsische CDU-Ministerpräsident Wulff ins Rennen.

Der Linken-Chef Ernst sagte dem Hamburger Abendblatt , die Linke erkenne "die großen Verdienste von Herrn Gauck für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte an, daran gibt es gar nichts zu rütteln". Doch in Zeiten von Sparprogrammen benötige man einen Anwalt der kleinen Leute, der sich auch mal gegen die Bundesregierung stellt. Ob Mitglieder seiner Fraktion bei einem Scheitern der eigenen Kandidatin im zweiten oder dritten Wahlgang für Gauck stimmen werden, wollte Ernst nicht ausschließen.

Derweil warb Wulff angesichts der zunehmenden Sympathie für Gauck in den eigenen Reihen für seine Kandidatur. Er werde sich nicht von Umfragen einschüchtern lassen, sagte er Teilnehmern zufolge in einer Sitzung der Bundestags-CSU. Das Werben für die Präsidentschaft gehe jetzt erst los. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage hatte Wulff in der Gunst der Bundesbürger nur knapp vor Gauck gelegen. Der Chef der Christsozialen, Horst Seehofer, sicherte Wulff "größtmögliche Unterstützung" zu. "Wir vertrauen Dir, wir unterstützen Dich."

Auch die FDP versprach, für Wulff zu stimmen. Wulff werde "mit den Stimmen der FDP-Bundesversammlungsfraktion gewählt", sagte der liberale Entwicklungsminister Dirk Niebel dem Hamburger Abendblatt . Er widersprach der Kritik mehrerer FDP-Landespolitiker und der Opposition, im Hauruck-Verfahren solle ein CDU-Parteisoldat durchgedrückt werden. Die Nominierung Wulffs als eines "gemeinsamen Kandidaten von CDU, CSU und FDP" sei eine "abgestimmte Entscheidung der Führungspersonen aller drei Parteien", sagte der FDP-Politiker.

Die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist für den 30. Juni angesetzt.