Mit der Mehrheit von CDU/CSU und FDP verabschiedete der Bundestag die umstrittene Reform, die erstmals auch eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes vorsieht. Die Opposition wandte sich geschlossen gegen das Gesetz. Sie warf der Regierung vor, angesichts der Debatte über eine komplette Abschaffung der Wehrpflicht sei die Verkürzung des Wehrdienstes eine überstürzte Aktion.

Die Koalition hatte die Reform bereits in den Koalitionsverhandlungen von Union und FDP im vergangenen Herbst vereinbart. Angesichts leerer Staatskassen läuft zudem eine Debatte darüber, die Wehrpflicht ganz abzuschaffen .

Denn das Kabinett hatte auf seiner letzten Sparklausur beschlossen, die Bundeswehr um bis zu 40.000 Zeit- und Berufssoldaten zu verkleinern. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält unter diesen Umständen die Wehrpflicht in ihrer jetzigen Form nicht mehr für haltbar. Im September will er deshalb ein Konzept für eine Strukturreform der Bundeswehr vorlegen.

Karl-Theodor zu Guttenberg - zu Guttenberg: Ist die Wehrpflicht noch zeitgemäß? Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU) im Gespräch mit dem ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und dem Europa- und Nato-Korrespondenten der ZEIT, Jochen Bittner

Die FDP fordert ohnehin, die Wehrpflicht auszusetzen. Bei einer sechsmonatigen Dienstzeit gebe es einen "immensen Aufwand" bei zu wenig Nutzen, räumte FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen im Deutschlandfunk ein. Die Wehrpflicht sei zwar eine "urliberale Idee", aber die Lage habe sich geändert. "Die Wehrpflicht muss sich sicherheitspolitisch begründen."

Die Linke und die Grünen warfen der Koalition vor, sie beschließe ein Gesetz, das bald schon wieder Makulatur sein werde. Der SPD-Verteidigungsexperte Lars Klingbeil bemängelte zudem, durch die Reform werde der Wehrdienst zu einem "sechsmonatigen Praktikum bei der Bundeswehr".

Ähnlich umstritten ist die gleichzeitige Verkürzung des Zivildienstes. Wohlfahrtsverbände befürchten personelle Engpässe in ihren Einrichtungen. Deshalb gibt es künftig eine Option für alle Zivis auf Verlängerung. Zudem will die schwarz-gelbe Koalition die Attraktivität von Freiwilligendiensten erhöhen, um eventuelle Personalprobleme in sozialen Einrichtungen zu verhindern.