150.000 statt 250.000 Berufssoldaten, das Aussetzen der Wehrpflicht und das Schließen von Kasernen – Medienberichten zufolge plant Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einen radikalen Umbau der Bundeswehr. Dementiert werden diese Pläne vom Ministerium nicht – es gebe keine Denkverbote, sagt zu Guttenberg gerne.

Und auch in einer Sprechererklärung heißt es im schönsten Bürokratendeutsch: "Zur Vorbereitung der Kabinettsklausur werden im Moment unterschiedliche Szenarien durchgerechnet. Dabei gibt es keine Denkverbote, aber auch noch keine Entscheidungen." Eine Entscheidung könnte aber bereits am Sonntag oder Montag auf der Kabinettsklausur in Berlin fallen.

Karl-Theodor zu Guttenberg - zu Guttenberg: Ist die Wehrpflicht noch zeitgemäß? Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU) im Gespräch mit dem ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und dem Europa- und Nato-Korrespondenten der ZEIT, Jochen Bittner

Das Aussetzen der Wehrpflicht macht auf jeden Fall Sinn. Spitzenmilitärs und Verteidigungspolitiker betonen stets, dass die Bundeswehr eine Armee im Einsatz sei. Das stimmt spätestens seit 1999 und der deutschen Beteiligung an der Kosovo-Mission. Doch für Auslandseinsätze stehen Wehrdienstleistende nicht zur Verfügung – lediglich freiwillig länger Dienende dürfen überhaupt ins Ausland geschickt werden.

Da bisher im Koalitionsvertrag eine Verkürzung der Wehrpflicht auf sechs Monate vorgesehen ist, wäre ein Aussetzen des Modells zur Landesverteidigung ehrlicher und billiger. Bis zu 400 Millionen Euro könne das Bundesverteidigungsministerium so sparen, sagen Experten. Das einzige Argument, gegen das Ende der Wehrpflicht lautet, dass die Bundeswehr sonst ihren wichtigsten Rekrutierungspool verliert. Andere Berufsarmeen haben dieses Problem aber nur bedingt.

Auch die Schließung von kleinen Kasernen und der Verkauf von Liegenschaften könnten den schrumpfenden Wehretat weiter entlasten. Bisher verhinderte der Protest von Ministerpräsidenten und Landräten die Schließung von Standorten – vor allem in strukturschwachen Gegenden. Doch die Bundeswehr ist kein Regionalförderprogramm.

Eine deutlich größere Einsparsumme böte die Wehrbeschaffung – doch an diese traut zu Guttenberg sich bislang nicht energisch genug ran. Noch immer sind Rüstungsprojekte offen, die noch aus Zeiten des Kalten Krieges stammen und die heute in diesem Umfang nicht mehr sinnvoll sind. Der Rechnungshof rügte immer wieder, dass so Mehrkosten entstehen, die in die Milliardenhöhe gehen: Eurofighter, Raketenabwehrsystem MEADS sind da nur einige Beispiele.