Im Streit um die Gesundheitspolitik verschärft sich der Ton. Der Parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Daniel Bahr (FDP), griff die CSU mit harten Worten an. "Die CSU ist als Wildsau aufgetreten, sie hat sich nur destruktiv gezeigt", schimpfte Bahr . "Seehofers Totalverweigerung" löse die Probleme nicht. FDP-Generalsekretär Christian Lindner hatte zuvor CDU-Chef Horst Seehofer angegriffen, dem er in der Gesundheitspolitik ein "Trauma" bescheinigte. "Und jetzt müssen 70 Millionen gesetzlich Versicherte seine Traumatherapie machen."

Horst Seehofer zeigte sich sehr verärgert. "Das ist eine Zumutung. Ich hoffe, dass die Spitzen der Koalitionsparteien wissen, dass das so nicht im Raum stehen bleiben darf." CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt fügte hinzu: "Bei der FDP sind zwei Sicherungen durchgeknallt, und die heißen Bahr und Lindner."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte Bahrs "Wildsau"-Äußerungen. "Diese Wortwahl ist nicht nachahmenswert", sagte sie. Vizekanzler Westerwelle (FDP) schloss sich an. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär bezeichnete die Äußerungen von Bahr und Lindner als "Ungeheuerlichkeiten". Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, legte Lindner nahe, er solle sich "etwas mäßigen, auch in seinen Äußerungen".

Hintergrund des Streits ist der Plan Philipp Röslers, eine einkommensunabhängige Kopfpauschale einzuführen. Diese sollte durchschnittlich 30 Euro monatlich betragen. Das Modell stieß jedoch auf Seiten der CSU auf harten Widerstand. Nun soll Rösler nach einer Vereinbarung der Koalition bis Mitte Juli ein überarbeitetes Konzept vorlegen. Darin soll ein Zusatzbeitrag für gesetzlich Krankenversicherte in der Größenordnung von 15 bis 20 Euro monatlich enthalten sein.

Horst Seehofer hatte eine Kopfpauschale dagegen als unfinanzierbar bezeichnet. Dabei berief er sich auf eine vermeintliche Einigung mit Guido Westerwelle und Angela Merkel, wonach jede Einführung einer Kopfpauschale nahezu unmöglich sei. Die Kanzlerin hatte daraufhin mitteilen lassen, die Vereinbarung ließe diese Schlussfolgerung nicht zu.

Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) ging gar so weit, die schwarz-gelbe Berliner Koalition infrage zu stellen. "Wenn es Schule macht, dass man sich nicht an Vereinbarungen des Koalitionsvertrags hält, wie das hier der Fall ist, dann ist die Koalition ernsthaft in Gefahr", sagte Zeil . Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Einschreiten gegen die CSU auf. "Das ist mittlerweile nicht nur eine Frage der CSU, sondern auch eine Führungsfrage der Kanzlerin. Sie muss die CSU hier stoppen."

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder warf der FDP vor, sie habe sich bei dem Thema "verrannt" und sich an dem Kopfpauschalen-Modell "festgebissen". Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn, kritisierte die anhaltenden Streitigkeiten. "CSU und FDP verhalten sich wie kleine Kinder", sagte der CDU-Politiker. "Und langsam fangen sie mit ihrem Geschrei an zu nerven, die Kleinen."