Drei Namen: Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble, Norbert Lammert. Eine(r) der drei wird wohl als Nachfolger für Horst Köhler ins Schloss Bellevue einziehen. Danach sieht es zumindest  derzeit aus, denn von all den vielen anderen möglichen Kandidaten – Klaus Töpfer, Christian Wulff, Annette Schavan oder gar Jürgen Rüttgers – ist kaum noch die Rede im politischen Berlin.

Die Arbeitsministerin, der Finanzminister oder der Bundestagspräsident also. Doch wer von den dreien? Wer diese Frage beantworten will, kommt ohne ein wenig Kaffeesatzleserei nicht aus. Dennoch sprechen handfeste Gründe für und gegen jeden einzelnen der drei.

Das Zeug für den Job hat zweifellos jeder von ihnen. Sie alle erfüllen die bisher formulierten Anforderungen der schwarz-gelben Koalitionäre: Aus dem politischen Betrieb sollte er oder sie kommen, ein Parteibuch der Union oder FDP besitzen und halbwegs bekannt sein. Experimente mit "exotischen" Kandidaten will man dieses Mal vermeiden .

Besonders hartnäckig hält sich der Name der derzeitigen Arbeitsministerin in den Schlagzeilen. Und tatsächlich ist sie auch Angela Merkels Favoritin. Das scheint nahe liegend zu sein, immerhin ist Ursula von der Leyen eine ausgewiesene Merkel-Vertraute. Mit ihr hat die Kanzlerin das soziale Profil der Union geschärft. Sie half mit, nach Franz Josef Jungs Abgang die fällige Kabinettsumbildung schnell und recht geräuschlos über die Bühne zu bekommen. Sie wird sich nur schwer verweigern können, wenn Merkel sie darum bittet, ins Schloss Bellevue ziehen.

Und warum auch nicht? Sie ist zweifellos beliebt bei den Menschen, unter den derzeit kursierenden Namen führt sie die Meinungsumfragen gar an. Und ihre Wahl ins höchste Staatsamt wäre ein starkes Signal: Nicht nur wäre sie die erste Frau in diesem Amt, sie wäre auch jünger als jeder ihrer Vorgänger. Die schwarz-gelbe Koalition hätte mit einem Schlag dafür gesorgt, ihr ramponiertes Image ein wenig aufzuhübschen.

Dennoch: Gewichtige Gründe sprechen gegen eine  Bundespräsidentin von der Leyen. Die 51-Jährige ist einerseits in einigen Bevölkerungsgruppen sehr umstritten. Netzaktivisten denken mit Grauen an ihre Kampagne für Internetsperren zurück. Und konservativen Hardlinern ging ihre Familien- und Frauenpolitik gehörig gegen den Strich.

Andererseits gibt es auch aus Sicht der Kanzlerin gute Argumente gegen von der Leyen. Denn langfristig nützt sie Merkel auf ihrem jetzigen Posten deutlich mehr als im Schloss Bellevue. Das Arbeitsministerium ist eines der wichtigsten aller Ressorts, gerade jetzt. Dort wird derzeit die notwendige Reform der Jobcenter ausgearbeitet. Gleichzeitig muss das Karlsruher Urteil zur Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze umgesetzt werden. Zusätzlich droht eine Spardebatte über den mit 143 Milliarden Euro größten Etat des Bundeshaushaltes. Da braucht es nicht nur eine gewiefte Politikerin auf dem Chefsessel, es braucht eine Merkel-Vertraute wie von der Leyen eine ist. Auf sie kann sich die Kanzlerin hundertprozentig verlassen.

Außerdem wäre schon wieder eine Neubesetzung im Arbeitsministerium fällig. Der vierte Minister innerhalb von weniger als einem Jahr müsste sich dort einarbeiten – das geht an keiner Institution spurlos vorbei.