Horst Seehofer hat sich in die neu entfachte Diskussion um den Steuerbonus für Hoteliers eingeschaltet. Doch anders als die FDP umtreiben den CSU-Chef keine Zweifel. "Das war eine sehr überlegte Entscheidung", sagte Seehofer der Passauer Neuen Presse . Dazu stehe er auch. Daher käme eine Revision zum jetzigen Zeitpunkt nicht infrage. "Ich bin für Verlässlichkeit in der Politik", beschrieb Seehofer seine Position. Viele Hoteliers und Gastronomen hätten jetzt investiert und würden bei einer Rücknahme "die Welt nicht mehr verstehen".

Seehofer stellte sich damit gegen den FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Dieser hatte eingeräumt, dass das Vorgehen bei der Hotelsteuer falsch gewesen sei . "Man hätte aus meiner heutigen Sicht diesen einzelnen Umsatzsteuersatz nicht vorab senken sollen, sondern wir hätten da auf die große Reform warten müssen", sagte Lindner. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte verärgert auf den Vorstoß reagiert und eine "geordnete Diskussion" über die Mehrwertsteuer gefordert.

Seehofer zufolge will die Koalition ab September einen Fahrplan für diese Debatte erarbeiten. In der Gesamtstruktur der Mehrwertsteuer gebe es "in vielen Bereichen Ungereimtheiten." Bis dahin werde die CSU "mit eiserner Konsequenz keine Mehrwertsteuerdebatte führen". Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitgeteilt, die Koalition wolle das Thema in einem Gesamtkonzept und nicht unter Einzelpunkten betrachten. 

Zuvor hatte der Bundesrechnungshof eine radikale Reform der seit Jahren umstrittenen reduzierten Mehrwertsteuersätze angemahnt. Die zahlreichen Ermäßigungen sollten überprüft und nicht mehr zeitgemäße Ausnahmeregelungen abgeschafft werden. 

Der Staat lässt sich das System der ermäßigten Steuersätze rund 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Die komplizierte Liste der mit nur sieben Prozent Mehrwertsteuer belasteten Dienstleistungen und Produkte löst aber immer wieder Streit aus. So werden etwa Trüffel, Hundefutter und Rennpferde mit sieben Prozent, Babywindeln hingegen mit 19 Prozent voll besteuert.