Lange sträubten sich die Liberalen gegen eine Zusammenarbeit mit SPD und Grünen , doch dann gab es doch Sympathie füreinander: Nach einem ersten Treffen nach der knapp ausgegangenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist nun klar: Eine Ampelkoalition bleibt Regierungsoption.

Nach einer ersten Sondierungsrunde sprachen die Spitzen von SPD, FDP und Grünen von sehr konstruktiven, fairen Gesprächen in guter Atmosphäre. Nach siebeneinhalb Stunden vereinbarten sie ein weiteres Treffen.

Am späten Abend präsentierten sich die Verhandlungsführer in gelöster Stimmung. Zuvor hatten die drei Parteien besonders schwierige Themenkomplexe angesprochen, darunter Bildungs-, Arbeits- und Kommunalpolitik.

Optimistisch klang danach vor allem die SPD: "Ich kann nur sagen, dass sich die Sondierung bisher schon gelohnt hat", sagte SPD-Landeschefin Hannelore Kraft. "Es ist Bewegung erkennbar, es gibt aber auch Positionen, die immer noch beschwerlich sind." Allerdings könne erst nach Abschluss der Sondierung gesagt werden, ob das Ergebnis trägt.

Auch FDP-Landesparteichef Andreas Pinkwart lobte den "sachorientierten Austausch". Im Bereich frühkindlicher Bildung gebe es Schnittmengen. Zu konkreten Gesprächsergebnissen zu den strittigen Themen Schulsystem und Studiengebühren wollten sich die Parteispitzen aber nicht äußern.

Grünen-Landtagsfraktionschefin Sylvia Löhrmann sagte: "Aus grüner Sicht können wir noch nicht sagen, ob es zu einem positiven oder negativen Abschluss der Gespräche kommen wird." Der Austausch sei aber "ernsthaft, fair und bisweilen in heiterer Stimmung" verlaufen. Am Donnerstag wollen die Beteiligten weiter verhandeln.

Die Sondierungskommission der Grünen will am selben Tag eine abschließende Bewertung vornehmen. Bei SPD und FDP stehen am Freitag Landesvorstandssitzungen an. Die SPD will ihre Basis mitbestimmen lassen, mit wem die Partei Koalitionsgespräche aufnehmen soll.

In den vergangenen beiden Wochen hatten die Sozialdemokraten mit der CDU über eine Große Koalition gesprochen. Kraft hatte der CDU danach mangelnde Kompromissbereitschaft vorgeworfen. Sie verlangt von der CDU, anderen Spitze noch immer Ministerpräsident Jürgen Rüttgers steht, auch eine personelle Erneuerung. Die CDU will eine Große Koalition unter Rüttgers' Führung.

Eine rot-rot-grüne Regierung unter Beteiligung der Linkspartei haben SPD und Grüne ausgeschlossen.

Die Landtagswahl am 9. Mai hatte weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün eine Mehrheit ergeben. Die CDU war mit nur rund 6000 Stimmen Vorsprung vor der SPD stärkste Partei geworden. Im neuen Landtag haben CDU und SPD jeweils 67 Sitze. SPD und Grüne haben mit zusammen 90 Sitzen 10 mehr als Schwarz-Gelb. Allerdings fehlt Rot-Grün ein Mandat zur Regierungsmehrheit.