Das Aussteigerprogramm sei ein Angebot für junge militante Islamisten "oder solche, die auf dem Wege sind", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Präsentation des BfV-Jahresberichts 2009. Es werde eine Telefon-Hotline und eine Internetadresse für Muslime geben, "die in den Einflussbereich fundamentalistischer und terroristischer Strukturen geraten sind", sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) Heinz Fromm. Aussteigewilligen sollen Ansprechpartner zur Verfügung stehen,  die Arabisch oder Türkisch oder auch eine andere Sprache beherrschen. Wie der Tagesspiegel erfuhr, könnte das Programm  bereits im Juni gestartet werden.

Das BfV hilft  bereits seit 2001  Rechtsxtremisten, die ihre Szene verlassen wollen.   Etwa 120 haben auf diese Weise den Weg aus dem Fanatismus gefunden.  Fromm hofft, mit dem neuen Aussteigerprogramm sei das Phänomen des militanten Islamismus "einzudämmen".

Die Sicherheitsbehörden beunruhigt vor allem, dass weiterhin Konvertiten und andere Muslime aus Deutschland ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet reisen, um sich dort einer Terrororganisation anzuschließen. Im vergangenen Jahr hätten sich etwa 30 Personen abgesetzt, sagte de Maizière. Nach Erkenntnissen des BfV, des Bundesnachrichtendienstes und des Bundeskriminalamts sind seit Anfang der neunziger Jahre ungefähr 200 Islamisten, darunter Mütter mit ihren Kindern, aus der Bundesrepublik  ausgereist, um in einem Terrorcamp den Umgang mit Waffen und Sprengstoff zu erlernen. "Zu 65 dieser 200 Personen existieren konkrete Hinweise, die für eine absolvierte paramilitärische Ausbildung sprechen", heißt es im Jahresbericht des BfV.

Als Beispiel für die enorme Gefahr, die von paramilitärisch trainierten Islamisten ausgeht, gilt die Sauerlandgruppe. Mitglieder der terroristischen Vereinigung hatten sich 2006 in der an Afghanistan grenzenden pakistanischen Region Wasiristan  von der Islamic Jihad Union (IJU) ausbilden lassen. Die IJU erteilte dann den Auftrag zu Anschlägen in Deutschland. Der Kern der  Sauerlandgruppe, zwei deutsche Konvertiten, ein Deutschtürke und ein Türke, bereiteten in der Bundesrepublik verheerende Anschläge mit Autobomben vor. Im September 2007 hob die Polizei die Gruppe aus, im März dieses Jahres verurteilte das Obelandesgericht Düsseldorf die vier Kernmitglieder zu hohen Haftstrafen.