Mehrere Medien beziehen sich bei diesen Meldungen auf Koalitions- und Parteikreise. Eine eindeutige Festlegung, bestätigte Berichte oder gar offizielle Verlautbarungen gibt es nicht.

Vor allem die CDU hält sich inmitten der Debatte um einen Nachfolger für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler bedeckt. Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier sagte: "Sie wissen, dass Ursula von der Leyen eine ganz vorzügliche Bundesarbeitsministerin ist und über Anerkennung weit über die CDU hinaus verfügt, aber wir werden uns nicht an irgendwelchen Spekulationen beteiligen." Altmaier zufolge müsse nun ein Kandidat gefunden werden, der "über die Parteigrenzen hinweg auf Akzeptanz und Zustimmung stößt".

Am Morgen hatte auch die bayerische Schwesterpartei ihr weiteres Vorgehen abgestimmt. Mehrere Präsidiumsmitglieder, so hieß es aus München, könnten sich mit der Bundesarbeitsministerin von der CDU als Nachfolgerin des zurückgetretenen Horst Köhler "anfreunden". Allerdings melden die Bayern auch gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert oder Finanzminister Wolfgang Schäuble – beide sind ebenfalls als mögliche Anwärter im Gespräch – keine Vorbehalte an. Deren CDU-Kollege, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, spielte bei den Überlegungen der CSU-Spitze aber wohl keine Rolle mehr.

Offiziell hieß es, das CSU-Präsidium sicherte CDU-Chefin Merkel zu , einen "geeigneten Vorschlag der CDU" zu unterstützen. "Dafür werden jetzt Abstimmungsgespräche innerhalb der Union geführt", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt nach der Telefonkonferenz zwischen Berlin und München. "Die CSU will gemeinsam mit der CDU einen gemeinsam abgestimmten Kandidaten für das Bundespräsidentenamt finden." Dabei würden sie aber nicht jeden Namen akzeptieren.

Auch das FDP-Präsidium beriet am späten Dienstagabend vertraulich über die Köhler-Nachfolge. Auch die Liberalen vereinbarten, keinen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, sondern zusammen mit der Union einen Anwärter zu präsentieren. Konkrete Beschlüsse wurden nicht bekannt. Nach dem fünfstündigen Treffen hieß es allerdings, von der Leyen wird von den Liberalen nicht abgelehnt. Dies gelte aber gleichermaßen auch für Lammert und Wulff.

Wie aus Regierungskreisen weiter verlautete, will die Koalition die Personalie möglichst rasch, wenn möglich bis Ende der Woche benennen . Der Name soll möglichst noch vor der am Sonntag beginnenden Sparklausur im brandenburgischen Meseberg feststehen. In der kommenden Woche könnten dann die Bundestagsfraktionen darüber sprechen. Am 30. Juni wird dann das neue Staatsoberhaupt gewählt, dann tritt die Bundesversammlung zusammen. Darin hat Schwarz-Gelb eine klare Mehrheit.

Die Opposition fordert einen parteiübergreifenden Kandidaten. Bei ihnen stoßen alle bislang Genannten auf wenig Sympathie. Die SPD bringt gar einen neuen Namen ins Gespräch – von der FDP. Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy nannte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger "eine ausgewiesene Persönlichkeit". Die Vertreterin des bürgerrechtsorientierten Flügels der Freidemokraten könnte auch aus Teilen der Opposition Unterstützung bekommen.

Auch die Linke lehnt von der Leyen oder Schäuble als Kandidaten ab. "Ich finde es ehrlich gesagt keine gute Idee, eine Ministerin oder einen Minister aus dem aktuellen Kabinett als Bundespräsidenten vorzuschlagen", sagte Parteivorsitzende Gesine Lötzsch. Sie forderte Merkel auf, alle Parteivorsitzenden zu Gesprächen über einen überparteilichen Kandidaten oder eine Kandidatin einzuladen.