Nun steht doch noch einer aus dem Anden-Pakt kurz davor, in Berlin ein wirklich bedeutendes Amt zu erlangen. Mehrere Bundesminister und Ministerpräsidenten hat der Klüngelbund einiger junger CDU-Talente hervorgebracht, der 1979 auf einer Südamerika-Reise entstand. Einer von ihnen ist Christian Wulff, der seit 2003 in Niedersachsen regiert.

Und nun sieht es ganz so aus, als ob der 50-jährige Ministerpräsident in 26 Tagen zum deutschen Staatsoberhaupt gewählt wird. Schwarz-Gelb verfügt dafür in der Bundesversammlung über eine solide Mehrheit.

Parteiintern hat er sich gegen die Niedersächsin Ursula von der Leyen durchgesetzt. Die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) soll auch an dem Widerstand Wulffs gescheitert sein. Gegen ihre Berufung hätten sich vor allem konservative Christdemokraten wie Stefan Mappus, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ausgesprochen.

Wulff gilt als der Entdecker von Ursula von der Leyen – er berief sie 2003 als Sozialministerin in sein Landeskabinett. Das höchste deutsche Staatsamt, das wollte er aber anscheinend lieber für sich selbst. Medienberichten zufolge hat Wulff sich selber Merkel als Bundespräsident angeboten.

Christian Wulff gilt als moderner Konservativer. Er berief mit Aygül Özkan als erster Ministerpräsident eine Frau mit Migrationshintergrund in sein Kabinett, Die muslimische Sozialministerin kam aber nicht überall in der Union gut an - vor allem, als sie forderte, Kruzifixe aus den Schulen zu verbannen. Das ging dann aber auch Wulff zu weit. "In Niedersachsen werden christliche Symbole, insbesondere Kreuze in den Schulen, seitens der Landesregierung im Sinne einer toleranten Erziehung auf Grundlage christlicher Werte begrüßt", sagte er damals. Harte Kritik übt Wulff fast nie – er ist eher ein Mann der sanften Worte, der Probleme lieber leise aus dem Weg zu räumen versucht.

Auch als Wulff sich gegen die im Bundeskabinett angedachte Steuersenkung wandte, blieb sein Ton moderat. "Wir brauchen wieder geordnete Verhältnisse. Und das heißt Konsolidierung", sagte er damals. Basta-Politik klingt anders.

Freunde werfen ihm vor, oft zu harmoniesüchtig, zu nett zu sein. Im Landtagswahlkampf 2008 verzichtete er fast völlig auf Seitenhiebe und verbale Attacken. Gegner sagen, Wulff habe Kreide gefressen, wie der Wolf im Märchen. Doch der Niedersachse ist ein gewiefter Taktierer, der im Hintergrund beständig sticheln kann – Angela Merkel und ihr Umfeld litten darunter häufig.