Das Bundesfinanzministerium hat auf die heftigen Proteste gegen seine Flugsteuer-Vorschläge reagiert und neue Pläne vorgelegt. Die Abgabe für kurze Strecken soll geringer als zunächst beabsichtigt ausfallen. Kurzstrecken sollen mit neun Euro, mittellange Strecken zwischen 2000 und 6000 Kilometer mit 25 Euro und  Langstrecken mit 40 Euro verteuert werden, sagten Regierungsvertreter. Darauf hätten sich die Staatssekretäre und Abteilungsleiter von Finanz-, Umwelt-, Verkehrs- und Wirtschaftsministerium verständigt. In Kreisen der Luftfahrtbranche wurde dies bestätigt.

Im ersten Entwurf sollte die Steuer nur zwei Stufen enthalten: 13 Euro für Kurzstrecken und 26 Euro für Langstrecken. Fracht, wie von einigen Politikern gefordert, soll weiterhin ebenso wenig besteuert werden wie Privatflieger und Umsteiger. Das Bundesfinanzministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Mit der Steuer will der Bund jährlich rund eine Milliarde Euro zur Haushaltssanierung einnehmen. Verschiedene Ministerien und Parlamentarier hatten den ersten Entwurf des Finanzministeriums kritisiert. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) etwa hatte bemängelt, dass die Steuer unbefristet erhoben werden solle. Das Kabinett hatte die Steuer ursprünglich nur bis zur Einführung des Handels mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten ab 2012 ins Auge gefasst. Jetzt verständigte man sich den Kreisen zufolge darauf, die Steuer zum Juli 2012 noch einmal zu überprüfen.

Die vergleichsweise geringe Belastung für Langstrecken im ersten Entwurf war vor allem als Begünstigung der Lufthansa gewertet worden, die auf diesen Strecken besonders stark ist. Die Mehrbelastung nach den neuen Plänen gilt ebenso wie der niedrigere Tarif auf Kurzstrecken als Entgegenkommen für Air Berlin , das mit der Lufthansa dort in besonderer Konkurrenz steht. Aktien der Lufthansa gaben an der Börse so Teile ihrer Gewinne ab, während Air Berlin frühere Verluste fast wettmachen konnte.

Allerdings war auch im Umweltministerium auf eine stärkere Spreizung der Tarife gedrängt worden, um ökologische Aspekte stärker zu berücksichtigen. Der Ausstoß von Treibhausgasen in großen Höhen belastet die Atmosphäre besonders stark.