"Die Frage stellt sich gar nicht", antwortet Hamburgs CDU-Chef Frank Schira in einem Interview auf anhaltende Gerüchte um einen Rücktritt von Bürgermeister Ole von Beust. Stellt sie sich wirklich nicht? Schira ist ein wenig ins Schwitzen gekommen, seit Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) der Zeitung Die Welt überraschend gesagt hat, dass er sich das Bürgermeisteramt grundsätzlich vorstellen könne.

Schira appellierte nun an seine Parteikollegen, sich genau zu überlegen, was sie in der Öffentlichkeit sagen. "Wir haben einen guten Bürgermeister und hoffen, dass er es noch lange bleibt", sagte Schira dem Hamburger Abendblatt . Beust selbst ließ der taz wiederum ausrichten, er wolle zu dem "Gequatsche" nicht Stellung nehmen.

Allerdings wird dem 55-Jährigen nach fast neun Jahren als Hamburgs Bürgermeister Amtsmüdigkeit nachgesagt. Jetzt schießen die Spekulationen über einen möglichen Amtsverzicht Beusts schon am kommenden Sonntag wieder ins Kraut – Anlass ist der Volksentscheid in der Hansestadt zur Einführung einer sechsjährigen Primarschule. Sie ist Teil der Schulreform von Hamburgs Landesregierung. Es wird ein äußerst knappes Ergebnis erwartet.

Um einen möglichen Rückzug Beusts von der Spitze der ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene gibt es seit Wochen Gerüchte. In der Vergangenheit hatte der Regierungschef erklärt, sich rund ein Jahr vor der nächsten Bürgerschaftswahl Anfang 2012 über seine Zukunft zu äußern. Als dann die Gerüchte über einen rascheren Amtsverzicht die Runde machten, ließ er einen Termin offen, verwahrte sich jedoch dagegen, amtsmüde zu sein.

Schira hat den CDU-Vorstand noch für Sonntagnachmittag in die vornehme CDU-Villa am Leinpfad gebeten, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der Bürgermeister wird dabei ebenfalls erwartet. Dass sich Wersich im dem Welt -Interview ohne Not zu Beusts Amt geäußert hat, bringt Schira, der erst knapp drei Wochen offiziell an der Spitze der Hamburger CDU steht, unter Druck. Schließlich war in einer Art Abkommen schon lose vereinbart, dass irgendwann Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) Beust beerben soll. Im Gegenzug durfte Schira als Nachfolger des zurückgetretenen Michael Freytag Parteivorsitzender werden.

Damit wird das Wochenende wohl zur ersten großen Bewährungsprobe für Schira. Zumal längst nicht ausgemacht ist, dass er und Ahlhaus mit ihrem "Pakt" durchkommen. Bei den Grünen gilt der frühere Hardliner Ahlhaus als nur schwer vermittelbar – erst recht als Bürgermeister. Mit dem weltoffenen Wersich wiederum – bei der Grün-Alternativen Liste (GAL) geschätzt – tun sich die Konservativen in der CDU schwer.

Ein überhasteter Rückzug Beusts wäre für die Hamburger CDU ohnehin eine Katastrophe. Der Regierungschef gilt als Garant für gute Wahlergebnisse. Daher verlangte auch der Hamburger CDU-Wirtschaftsrat ein Ende der Debatte, und dass Beust im Amt bleiben soll. Der Vorsitzende Matthias Leutke sagte, Beust verfüge über Charisma und Empathie. "Er spricht die Dinge offen aus, ist bürgernah und bei der Bevölkerung nach wie vor beliebt."