Die Linke hat ihr Kooperationsangebot an die SPD trotz der ablehnenden Haltung der Sozialdemokraten erneuert. "Warum machen wir nie was zusammen im Bundestag? Kann man ja mal versuchen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, am Sonntagabend im ARD- Bericht aus Berlin . Wenn nicht zuerst ein anderes Gesprächsklima aufgebaut werde, entstehe auch keine gemeinsame Basis. Linksparteichef Klaus Ernst sagte dem Hamburger Abendblatt , sein Angebot stehe. "Vielleicht führt die Sommerpause zu etwas Entspannung."

Ernst hatte die SPD am Samstag zu einem Neustart der Opposition aufgefordert. "In wichtigen Fragen wie der Verhinderung des Kürzungspakets und der unsozialen Kopfpauschale erwarten die Menschen mehr Geschlossenheit in der Opposition. Darüber müssen wir gemeinsam reden", sagte er der Leipziger Volkszeitung .

Die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles bekräftigte aber die Ablehnung, die zuvor bereits Parteichef Sigmar Gabriel geäußert hatte: "Klaus Ernst hat allen Grund abzulenken, nämlich von der Zerrissenheit seiner eigenen Partei", sagte sie im ZDF. "Es gibt keine Koalition in der Opposition."

Ernst warf der SPD wegen dieser Haltung Verbohrtheit vor. "Es scheint so, als ob an der SPD-Spitze nach wie vor Betonköpfe dominieren, die nicht im Fünf-Parteien-System angekommen sind. Das schwächt die Opposition gegen den Sozialabbau der Bundesregierung", kritisierte er.

Mehrere junge Politiker von SPD, Grünen und Linken sprachen sich derweil in einem gemeinsamen Positionspapier für eine rot-rot-grüne Koalition aus. Darin benennen sie drei große Ziele: die ökologische Erneuerung, soziale Gerechtigkeit und Demokratie, wie die Berliner Zeitung berichtet, der das Papier vorliegt. Unter den Unterzeichnern sind die Sozialdemokratin und frühere PDS-Politikerin Angela Marquardt, die Vizevorsitzende der Linken, Halina Wawzyniak, und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring.

Die Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten im dritten Wahlgang hatte zu scharfen Auseinandersetzungen innerhalb des Oppositionslagers geführt. SPD und Grüne warfen der Linken vor, dass sie ihren Kandidaten Joachim Gauck nicht mitgewählt und damit die Wahl Wulffs ermöglicht habe. Die Linke wiederum kritisierte, dass sich die beiden anderen Parteien im dritten Wahlgang nicht auf einen neuen, gemeinsamen Kandidaten einlassen wollten.