Als hätten sie sich abgesprochen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der ARD und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) im ZDF teilen den Bürgern mit, worüber seit Wochen spekuliert und gestritten wird. 10 bis 15 Jahre sollen die deutschen Atomkraftwerke länger am Netz bleiben. Bis mindestens ins Jahr 2035 würde demnach die "Atom-Brücke" reichen. Das zentrale Argument: Nur so sei beim Übergang ins Ökostrom-Zeitalter die Versorgungssicherheit gewährleistet . In der ARD sagte Angela Merkel, "dass aus energiefachlicher Sicht eine Verlängerung der Kernkraft-Laufzeiten im zweistelligen Bereich wünschenswert ist." Sie als Regierungschefin müsse aber noch zwei andere Kriterien vor einer Entscheidung berücksichtigen.

Als "oberstes Prinzip" müsse sichergestellt werden, dass die Sicherheit gewährleistet werde. Außerdem müsse sie als Bundeskanzlerin auf eine rechtlich belastbare Regelung achten . Deshalb wolle sie eine Lösung finden, die nicht auf die Zustimmung des Bundesrates angewiesen sei, in dem die schwarz-gelbe Koalition keine Mehrheit hat.

FDP-Chef Guido Westerwelle hatte zuvor im ZDF-Sommerinterview von einem "Korridor zwischen 10 und 15 Jahren" gesprochen und gesagt: "In dieser Größenordnung wird es auch beschlossen werden." Die Regierung will ihr Energiekonzept am 28. September beschließen.

Nach den von der Kanzlerin aufgestellten Kriterien dürfte die Zahl aber darunter liegen. Innen- und Justizministerien haben Zweifel, dass eine zustimmungsfreie Verlängerung ohne Bundesrat über zehn Jahre rechtlich haltbar sein dürfte. Generell gehe an der Verlängerung der Laufzeiten laut Merkel aber kein Weg vorbei: Die Szenarien des Regierungsgutachtens hätten klar ergeben, dass der Vorteil ein geringerer Strompreis, mehr Versorgungssicherheit und ein schnelleres Erreichen der Klimaschutzziele sei, die sich die Regierung gesetzt habe. Die Experten hatten die Effekte von 4, 12, 20 und 28 Jahren längeren Laufzeiten berechnet.

Das Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) und der Prognos AG gilt jedoch als umstritten. Insbesondere die Unabhängigkeit des am Gutachten beteiligten Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln wird angezweifelt, da es acht Millionen Euro von RWE und Eon an Fördergeldern bekommt. Kritiker wie Greenpeace sehen eine bewusste Benachteiligung der Öko-Energien. Selbst Koalitionäre sprechen von fragwürdigen Methoden. Auch das im Gutachten angeführte Preisargument ist eine Frage der Interpretation. Viele Stadtwerke sehen die Verlängerung als Gift für den Wettbewerb. Sie führe dazu, dass die Monopolstellung der großen Vier – RWE, Eon, EnBW und Vattenfall – zementiert werde.