Im Streit um die Atomkraft fordern SPD und Grüne von der Bundesregierung, die Gespräche mit den Energiekonzernen abzubrechen . Es gebe keinen Grund, mit den AKW-Betreibern über die geplante Brennelementesteuer zu verhandeln, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel im Deutschlandradio Kultur. Grünen-Fraktionsvize Fritz Kuhn sagte: "Mit Erpressern schließt man gemeinhin keine Verträge."

Gabriel forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sie solle die Verhandlungen mit den Energiekonzernen "sofort abbrechen". Die geplante Brennelementesteuer dürfe nicht in Zusammenhang mit den Laufzeiten gebracht werden, sondern sie sei notwendig, "weil der Steuerzahler sonst aus seiner Tasche bis zu zehn Milliarden Euro bezahlen muss für die Sanierung alter, maroder Atommüllendlager".

Kuhn forderte im Bayerischen Rundfunk ebenfalls das Ende der Verhandlungen. "Ich halte die Atomindustrie für nicht geschäftsfähig", sagte der Grünen-Politiker. Er könne Merkel "nur raten, von Geschäften mit solchen Partnern die Finger zu lassen".

Nach einem Bericht des Spiegel   hatten die vier Stromkonzerne E.on, RWE, Vattenfall und EnBW mit einem Sofortausstieg aus der Atomenergie gedroht, falls die Regierung nicht auf die geplante Brennelementesteuer sowie auf strengere Auflagen für den AKW-Betrieb verzichte.

Ein RWE-Sprecher hatte im ZDF betont, die Konzerne hätten nicht mit dem kurzfristigen Abschalten der Meiler gedroht . Sie hätten nur darauf hingewiesen, dass die geplante neue Steuer die Wirtschaftlichkeit der Anlagen gefährde. Zuvor hatten die Vorstandschefs der vier Atomstrom-Unternehmen mit Blick auf die AKW-Laufzeiten "eine satte Zahl zusätzlicher Jahre, mindestens aber 15 Jahre" gefordert.

Gabriel kritisierte den Einfluss der Energiekonzerne auf die schwarz-gelbe Bundesregierung. Von dem für Ende September angekündigten Energiekonzept erwarte er "leider nicht viel", sagte der SPD-Vorsitzende. Er befürchte, die Bundesregierung werde "die erneuerbaren Energien behindern, weil die Lobby der Atomwirtschaft in der derzeitigen Bundesregierung viel zu groß ist".

Merkel startet am Mittwoch zu einer sogenannten Energiereise zu Unternehmen der Energiebranche im ganzen Bundesgebiet. Zum Auftakt stehen in Mecklenburg-Vorpommern Besuche in einem Windpark und bei dem Rostocker Windenergieanlagen-Hersteller Nordex auf dem Programm. Am Donnerstag will Merkel die Energiebörse in Leipzig besuchen. Am 26. und 27. August sind auch Besuche in einem Atom- und einem Steinkohlekraftwerk geplant.