Weniger Atommeiler, längere Laufzeiten: So lautet nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ( SZ ) die Kompromissformel, die die Bundesregierung im Streit über längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke gefunden hat. Dabei hätten die Koalitionäre eine für beide Seiten "gesichtswahrende Lösung" gefunden, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf Regierungskreise.

Dreh- und Angelpunkt des Konzepts seien neue Sicherheitsstandards, die zusammen mit der Vergabe neuer Strommengen den Energiekonzernen auferlegt werden sollen. Somit könnten zwar alle 17 Reaktoren zusätzliche Strommengen für sechs oder acht Jahre erhalten. Gleichzeitig müssten die Alt-AKW aber abgeschaltet werden, da es sich für die Betreiber kaum lohne würde, diese sicherheitstechnisch nachzurüsten.

Die Folge davon: Schon im kommenden Jahr könnten die ersten "zwei oder drei" Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Welche das sein könnten, sei aber noch offen. Ungeklärt sei auch noch, ob überhaupt ein fester Zeitpunkt für das Abschalten der letzten Reaktoren genannt werde.

Im Gegensatz zu älteren Atommeilern könnten bei dieser Lösung neuere Kernkraftwerke sogar länger laufen, als es die ihnen zugeschriebene Strommenge zulässt. Dies liegt am bestehenden Atomgesetz, wonach die Betreiber ohne Probleme Laufzeiten von älteren auf neuere Anlagen übertragen können. Die von Bundesumweltminister Norbert Röttgen geforderte "moderate" Verlängerung könnte so zu weitaus längeren Laufzeiten einiger AKW führen.

Die beteiligten Ministerien , also das Ressort von Umweltminister Röttgen (CDU) sowie das Wirtschaftsministerium unter dem FDP-Politiker Rainer Brüderle, wollten sich zu den Spekulationen nicht äußern. Die Entscheidung werde erst dann fallen, wenn das gesamte Energiekonzept der Bundesregierung stehe, hieß es in der SZ . Das Konzept soll im Herbst verabschiedet werden, eine Vorentscheidung trifft das Kabinett bereits Ende September. Zuvor wollen Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Berechnungen zum künftigen Energiemix vorlegen.