Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwägt im Zuge der Verkleinerung der Bundeswehr und der Aussetzung der Wehrpflicht eine Probezeit für Soldaten. "Wir können uns eine Probezeit beim Bund vorstellen", sagte Guttenberg der Bild am Sonntag . "Nach sechs Monaten kann dann jeder sagen, Soldatsein ist nichts für mich. Und umgekehrt kann die Bundeswehr entscheiden, dieser junge Mann passt nicht zu uns." Guttenberg erhoffe sich damit eine erhöhte Attraktivität für die notwendige Rekrutierung von 7000 bis 15.000 Freiwilligen.

"Wir brauchen auch in Zukunft junge Männer und Frauen, die kürzer dienen, das heißt zwischen 12 und 23 Monaten", sagt der Minister. "Denen werden wir ein hoch attraktives Angebot machen." Das bedeute "keine Gammelzeit, sondern: Qualifikationen wie den Erwerb des Führerscheins, ordentliche Bezahlung, Anrechnung auf Rentenversicherung, Optionen auf Studienplätze und vieles mehr." Ziel sei es nach Worten Guttenbergs, "so viele junge Menschen wie möglich zu animieren, einen Dienst an der Gesellschaft zu tun."

Die geplante Verkleinerung der Bundeswehr wird nach den Worten Guttenbergs nicht zu einem Kahlschlag bei den Standorten führen. Guttenberg sagte: "Die Entscheidungen über die Standorte fallen nicht vor Mitte nächsten Jahres. Aber ich kann heute schon sagen: Es wird keinen Kahlschlag geben." Auch Krankenhäuser und Universitäten der Bundeswehr sollen erhalten bleiben: "Es gibt Einrichtungen, die für die Attraktivität der Bundeswehr in der Zukunft von großer Bedeutung sind. Krankenhäuser und Universitäten gehören dazu."

Derzeit halten sich Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Afghanistan auf. Als erster hochrangiger Politiker besucht Guttenberg deutsche Soldaten im Kampfgebiet. Vom Bundeswehrfeldlager im nordafghanischen Kundus aus flog er am heutigen Sonntag mit einem Hubschrauber zu einem 70 Kilometer entfernten Außenposten in der Unruheprovinz Baghlan. Dort ist die "schnelle Eingreiftruppe" ( Quick Reaction Force ) stationiert, die in der Region auch gemeinsam mit der afghanischen Armee operiert. 15 Kilometer von dem auf einer Anhöhe gelegenen Stützpunkt entfernt waren im April vier deutsche Soldaten bei einem Taliban-Angriff getötet worden.

Norbert Lammert traf in Kabul in getrennten Gesprächen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und US-Oberbefehlshaber David Petraeus zusammen. Dabei ging es um die aktuelle sicherheitspolitische Situation in Afghanistan. Karsai habe den afghanischen Wunsch nach einer Verstärkung des deutschen Engagements unterstrichen, hieß es aus dem Büro des Präsidenten.