Um die Macht in der nordrhein-westfälischen CDU ist ein Zweikampf zwischen Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Ex-Integrationsminister Armin Laschet entbrannt. Nicht nur, dass Röttgen in einem Brief an CDU-Abgeordnete und Parteifunktionäre seine Kandidatur gegen Laschet ankündigte . Er sei auch bereit, von Berlin nach Düsseldorf zu wechseln und die NRW-CDU als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu führen, heißt es in dem Schreiben. Dies sei für ihn "selbstverständlich".

Indirekt äußerte Röttgen zudem Kritik an dem Dreierbündnis von CDU-Landespolitikern, das sich in Düsseldorf formiert hat. Laschet hatte während eines gemeinsamen Auftritts mit Landesgeneralsekretär Andreas Krautscheid sowie Fraktionschef Karl-Josef Laumann seine Kandidatur für den Landesvorsitz erklärt . "Ich finde, die Mitglieder sollten entscheiden, anstatt dass einige wenige Personen Posten unter sich aufteilen", schreibt Röttgen. Die CDU sei "mehr als ein Verein zum Gewinnen von Wahlen und Ämtern".

Ausdrücklich widersprach er zudem der Argumentation des Trios, dass der CDU-Landesvorsitzende nicht aus Berlin kommen könne. Für einen Erfolg der CDU würden alle gebraucht. "Darum gibt es nach meiner Meinung auch weder eine 'Landeslösung' noch eine 'Bundeslösung', sondern nur eine NRW-Lösung für den Landesvorsitz." Röttgen erinnerte daran, dass der amtierende Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers sowie Laumann selbst langjährige Bundestagsabgeordnete waren, als sie sich für ein Engagement in der Landespolitik entschieden. "Der Ministerpräsident ist immer Landes- und Bundespolitiker zugleich", schrieb Röttgen.

Die Bild -Zeitung zitierte seinen Konkurrenten Laschet mit den Worten: "Ich nehme das so hin, jetzt sind wir eben zu zweit." Er wolle die Kandidatur nicht bewerten, kündigte aber einen fairen Wahlkampf an. Laschet und Röttgen gelten als befreundet und vertreten beide einen Kurs der Modernisierung der CDU. Röttgen hatte sowohl Laschet als auch den bisherigen Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers zuvor telefonisch informiert, dass er im Rennen um den Landesvorsitz antreten wolle. Am Mittwoch will der Umweltminister nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub bei einem Auftritt in Düsseldorf seinen Schritt persönlich begründen.

Über das Verfahren für die Wahl des Landesvorsitzenden will der Landesvorstand Ende des Monats entscheiden. Dann endet auch die Frist für die Anmeldung von Kandidaturen. Es wird aber nicht mit weiteren Bewerbern gerechnet. Die Süddeutsche Zeitung berichtete bereits, die Partei plane mehrere Regionalkonferenzen, bei denen sowohl Röttgen als auch Laschet auftreten sollen. Danach könnten die 160.000 Mitglieder der Landes-CDU entscheiden, wer ihre Partei künftig führen soll. Die offizielle Wahl des neuen Landesvorsitzenden soll dann bei einem Parteitag Anfang November erfolgen.

Die nordrhein-westfälische CDU braucht einen neuen Chef, da Rüttgers nach der herben Niederlage bei der Landtagswahl im Mai seinen Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt hatte . Zudem muss die Landespartei auch einen Kandidaten für den stellvertretenden Bundesvorsitz benennen. Laschet hat bereits angekündigt, auch dieses Amt übernehmen zu wollen.