Linkspartei-Chef Klaus Ernst gerät nun auch in seinem Landesverband Bayern unter Druck. Der Landesschatzmeister Ulrich Voß habe den Verdacht geäußert, dass Ernst und seine Anhänger möglicherweise versucht hätten, "die Mehrheiten auf Parteitagen zu verändern", berichtet die Süddeutsche Zeitung . Sie beruft sich dabei auf einen internen Bericht der Partei.

Mehrere Kreisverbände im bayerischen Landesverband der Linkspartei sollen demnach ihre Mitgliederzahlen manipuliert haben, um mehr Delegierte zu Landesparteitagen schicken zu können, als ihnen eigentlich zustanden. So sollen Mitglieder angegeben worden sein, die überhaupt nicht in die Partei eingetreten seien. Zudem seien in der Kartei Mitglieder weitergeführt worden, die verstorben seien oder die schon länger keinen Beitrag mehr gezahlt hätten.

Voß äußerte laut SZ in dem partei-internen Dossier "den starken Verdacht, dass von alledem vor allem der Ernst-Flügel profitiert hat". Unter anderem verweist er auf Ernsts Wahl zum bayerischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im Frühjahr 2009, als lediglich 57 Prozent der Delegierten für ihn stimmten. "Eine sauber durchgeführte Mitgliederbereinigung könnte durchaus zu anderen Mehrheitsverhältnissen auf Parteitagen führen", heißt es in dem Dossier.

Voß verweigert nach einem Spiegel -Bericht darum die Unterschrift unter den Rechenschaftsbericht der Landespartei. Er sei "unter keinen Umständen bereit", "antidemokratische" und "teilweise sogar kriminelle Handlungen" durch seine Unterschrift zu legitimieren, zitiert ihn das Nachrichtenmagazin.

Ernst sprach hingegen von "vollkommen absurden Vorwürfen". Er sei an der Aufstellung der Parteitagsdelegierten nicht beteiligt gewesen, sagte der Linken-Chef dem Online-Magazin stern.de . Gegen die Zusammensetzung der jeweiligen Gremien, hätte zudem binnen einer Frist Einspruch erhoben werden können. Dies sei jedoch nicht geschehen. "Es handelt sich um eine üble Intrige des noch amtierenden Landesschatzmeisters UIrich Voß", sagte Ernst. Die Vorwürfe würden sich als völlig haltlos erweisen. Ernst stand zuletzt in der Kritik, Reisekosten zu Unrecht über den Bundestag abgerechnet zu haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat deswegen im Juli Ermittlungen eingeleitet .

Auch die bayerische Linke hat die Manipulationsvorwürfe gegen Ernst zurückgewiesen. "An der Rechtmäßigkeit der Aufstellungsversammlung und des Parteitages der bayerischen Linken im Jahr 2009 gibt es keinen Zweifel", erklärte die Sprecherin der bayerischen Linken, Eva Mendl. "Herr Voß bringt ungeheuerliche Verleumdungen vor, ohne einen einzigen Beleg zu präsentieren", sagte sie. Er verbreite "haltlose Manipulationsvermutungen" und begehe damit "politischen Rufmord". Der Parteivorstand werde deswegen juristische und parteirechtliche Schritte prüfen und einleiten. Voß solle sein Amt umgehend niederlegen.