Er ist ein Meister der Inszenierung. Ob dynamisch im Bundeswehr-T-Shirt im Flugzeug, im feinen Zwirn in Siegerpose auf dem Broadway in New York oder mit freundlichem Dauerlächeln vor den Besuchern der Bundespressekonferenz in der Hauptstadt. Karl-Theodor zu Guttenberg, laut Umfragen einer der beliebtesten Politiker in Deutschland, weiß, was er seinen Bewunderern zu bieten hat. Beim Tag der Offenen Tür kamen Hunderte Interessierte und Anhänger des Freiherrn in die Bundespressekonferenz, um ihm Fragen zu stellen.

Sonst sitzen in der Bundespressekonferenz dreimal pro Woche die Regierungssprecher, manchmal auch Bundesminister oder die Kanzlerin, um sich den Fragen der Hauptstadtpresse zu stellen – auf Einladung der Journalisten. An diesem Wochenende aber laden die Ministerien die Bürger zum "Staatsbesuch" und öffnen ihre Tore für alle. Da will auch die Bundespressekonferenz, die von Journalisten gegründet wurde und bis heute von ihnen organisiert wird, es dem Volk ermöglichen, einige der wichtigsten Politiker Deutschland aus der Nähe zu sehen.

Nacheinander sind Bundesinnenminister Thomas de Maizière, die Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Verteidigungsminister zu Guttenberg zu Gast. Als Guttenberg dynamischen Schrittes in den Saal kommt, ist kein einziger Platz mehr frei. Draußen drängeln sich weitere Besucher. Grauhaarige Seniorinnen und junge Mädchen machen Fotos mit kleinen Digitalkameras.

Guttenberg braucht nur "Guten Tag" zu sagen, schon brandet Applaus auf. Vorschusslorbeeren gebe es hier sonst nicht, scherzt Antje Sirleschtov von der Bundespressekonferenz, die die Fragerunde moderiert. Auch der Minister zeigt sich locker. Bei den "sibirischen Temperaturen" – draußen ist der Sommer zurückgekehrt – freue er sich auf die Fragen der Bürger, sagt Guttenberg. Sonst seien die Besuche hier unangenehmer: Politiker würden hier oft durch die Fragen der Presse "gegrillt".

Die Scherze kommen an. Die Besucher lächeln, lachen nicken. Innerhalb von wenigen Minuten wirkt der Charme Guttenbergs. Nicht nur in Bayern, wo er im Bundestagswahlkampf eines der besten Ergebnisse Deutschlands erzielte, stößt er auf Zustimmung. Das Magazin Focus kürte ihn bereits zum Kanzler in Reserve, die BILD zum adeligen Aufsteiger und die Bunte gleich zum Mann des Jahres 2009. Er wird immer wieder als nächster Ministerpräsident Bayerns ins Gespräch gebracht. Guttenberg war bereits Generalsekretär der CSU und Bundeswirtschaftsminister. Eine Biografie über ihn ist vor Kurzem erschienen –  dabei ist der Mann erst 38 Jahre alt.

Ein Senior hat die erste Frage. Er möchte wissen, welches Ministeramt mehr Spaß mache und wann Guttenberg den Vorsitz der CSU in Bayern übernehme. "Spaß ist schon von der Begrifflichkeit falsch", sagt der Minister. Während der weltweiten Finanzkrise habe das Amt des Wirtschaftsministers keinen Spaß bereitet; er habe die Aufgabe dennoch gern gemacht. Und auch als Verteidigungsminister stünden harte Entscheidungen an.

Der brisanten Frage weicht er aus. "In Bayern haben wir einen Parteivorsitzenden", der für zwei Jahre gewählt sei und sicherlich wieder antreten werde. "Das war jetzt eine sehr politische Antwort" sagt der Minister, und der Saal lacht.