In Sachen Bundeswehr-Reform liegen für Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg Erfolg und Scheitern derzeit nahe beieinander. Sollte er sich mit dem von ihm präferierten Modell einer radikalen Verkleinerung der Truppe und einer Aussetzung der Wehrpflicht durchsetzen, wäre dies zweifellos die einschneidenste Reform der letzten Jahrzehnte. Scheitert er, wäre sein politischer Nimbus damit beschädigt.

Das Hauptrisiko liegt für Guttenberg dabei nicht etwa beim Koalitionspartner, sondern bei den eigenen Parteifreunden. Während die FDP bereits Zustimmung zu seinen Plänen signalisiert hat, sind CDU und CSU uneins. Keine Rückendeckung kann Guttenberg, vorerst jedenfalls, von Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarten. Die Kanzlerin begrüßte am Dienstag zwar, "dass ihr Minister sich die Freiheit genommen" habe, die Sicherheitsarchitektur so zu denken, wie er und das Ministerium es für das Beste hielten.

Zustimmung in der Sache war das freilich nicht. Nach Informationen des Handelsblatt tendiert Merkel mehr zu einer weniger radikalen Reform. Während Guttenberg die Wehrpflicht aussetzen und die Truppe von derzeit 252.000 Soldaten auf 163.500 Soldaten verkleinern will, neige Merkel eher zu einer Beibehaltung der Wehrpflicht und einer Reduzierung der Truppenstärke auf 200.000 bis 210.000 Soldaten, berichtet die Zeitung.

Grundsätzlich kommt der Widerstand gegen Guttenbergs Reformmodell von zwei Seiten. Die eine Gruppe sind die überzeugten Wehrpflichtanhänger, die sich eine Bundesrepublik ohne Wehrpflicht grundsätzlich nicht vorstellen können. Zu ihnen gehört beispielsweise der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Ernst-Reinhard Beck. Für ihn ist die Wehrpflicht ein fester Bestandteil der Unionsprogrammatik. Einig weiß er sich dabei beispielsweise auch mit Guttenbergs Amtsvorgänger Franz-Josef Jung, der in der Vorstandssitzung der CDU am Montag ebenfalls für die Beibehaltung der Wehrpflicht plädierte und dafür lautstarken Applaus bekommen haben soll.

Für Landes- und Kommunalpolitiker gibt es dagegen noch ein weiteres Argument, die radikale Truppenreduzierung abzulehnen. Sie fürchten die mit der Schließung von Standorten verbundenen wirtschaftlichen Folgen.

Mit Widerstand muss Guttenberg aber vor allem auch in der eigenen Partei rechnen. Zu denen, die sich bisher am deutlichsten gegen eine Aussetzung der Wehrpflicht ausgesprochen haben, gehört CSU-Chef Horst Seehofer. Nicht auszuschließen ist deswegen, dass sich die Frage der Bundeswehrreform auch zu einer Machtfrage zwischen Parteichef und Verteidigungsminister entwickeln wird, in der es für beide auch um ihre persönliche Karriere geht. Schließlich gilt zu Guttenberg als chancenreichster Nachfolger von Seehofer.

Der Machtkampf ist freilich noch nicht entschieden. Vor allem unter den CSU-Bundestagsabgeordneten hat der Verteidigungsminister auch Unterstützer. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich ist der prominenteste von ihnen. Er stellte sich am Dienstag erneut hinter Guttenberg und nutzte dazu das Argument, das am eindeutigsten für dessen Modell spricht. Weil derzeit nur noch eine verschwindende Minderheit eines Jahrgangs überhaupt gezogen werde, sei es eine Frage der Wehrgerechtigkeit, daran etwas zu ändern, sagte er.

Auch der CSU-Verteidigungspolitiker und Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (CSU) stellte sich hinter Guttenbergs Pläne. Für ihn wie für andere Unionspolitiker hat die Reform jenseits aller grundsätzlichen Überlegungen zudem den praktischen Nutzen, dass mit ihr die gerade erst eingeführte sechsmonatige Wehrdienstzeit wieder gekippt werden könnte. "Ich habe noch nie jemanden getroffen, der davon etwas hält", sagte Hahn ZEIT ONLINE.