Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will die geplante elektronische Bildungskarte nach und nach allen Kindern zur Verfügung stellen. "Am Ende könnte im Prinzip jedes Kind die Bildungs-Card nutzen", sagte von der Leyen dem Magazin Der Spiegel . Ermöglicht werden solle dies durch finanzielle Unterstützung von Stiftungen, Wirtschaft und privaten Spendern.

Von der Leyen bekräftigte ihr Vorhaben, zunächst mittelfristig eine "Bildungs-Card" für bedürftige Kinder anzubieten. Über ein "persönliches Bildungsguthaben" sollten diese Kinder Zugang zu Förderkursen oder Musikunterricht bekommen. Später solle die Bildungs-Card von weiteren Kindern genutzt werden, deren Eltern ein niedriges Einkommen beziehen, und schließlich von allen Kindern.

Mit der geplanten Chipkarte will die Arbeitsministerin das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar umsetzen. Die Richter hatten der Regierung aufgetragen, bei den Hartz-IV-Ausgaben die Kosten für die Teilhabe der Kinder am Vereinsleben und an Bildungsangeboten stärker zu berücksichtigen. Von der Leyen will dafür jedoch nicht mehr Geld direkt an die Kinder oder deren Eltern zahlen, sondern den Kindern Sach- und Dienstleistungen zugute kommen lassen.

So will die Ministerin ein Bildungspaket schnüren, dass aus vier Komponenten besteht: Lernförderung für bedürftige Kinder, freies Schulmaterial und Mittagessen sowie die Möglichkeit, kostenfrei Musikschulen oder Sportvereine besuchen zu können. "Dazu wird künftig ein Familienlotse im Jobcenter die Aufgabe übernehmen, das Amt mit allen Sozial-, Kultur- und Betreuungseinrichtungen vor Ort zu vernetzen", sagte sie dem Spiegel

Kritik daran kam erneut aus der CSU . Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, verlangte, die Pläne für Gutscheine für Kinder von Hartz-IV-Empfängern schnellstens einzustampfen. "Wir brauchen keinen Super-Nanny-Staat. Die Politik hat auch vor Empfängern von Transferleistungen Respekt zu haben und sie als mündige Bürger zu behandeln", sagte Michelbach. Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt äußerte sich skeptisch gegenüber Bildungsgutscheinen. Der CDU-Sozialexperte Peter Weiß kritisierte Bildungsgutscheine als "diskriminierend". Auch Opposition und Gewerkschaften lehnen das Vorhaben der Ministerin ab.

Von der Leyen will ihr Konzept nach Angaben aus der Koalition am 19. August mit den Fachpolitikern von Union und FDP besprechen.