Frage : Herr Müller, wie lange kann die CDU Umfragewerte um 30 Prozent aushalten?

Peter Müller: Die Umfragewerte sind höchst unbefriedigend. Wenn wir den Anspruch der Volkspartei aufrechterhalten wollen, brauchen wir Wahlergebnisse von 40 Prozent plus X. Wir müssen deshalb dringend darüber nachdenken, wie wir für eine höhere Akzeptanz der Union sorgen können.

Frage: Führen Sie die Krise allein auf den Dauerstreit der schwarz-gelben Koalition im Bund zurück oder gibt es tiefer gehende Gründe?

Müller: Dass die Streitereien der Koalition geschadet haben, steht außer Frage, dies allein taugt aber nicht als Erklärung. Es gibt ein Bündel von Ursachen für das gegenwärtige Umfragetief. Grundsätzlich nimmt die Bindungskraft großer Organisationen ab. Das gilt für Kirchen, Gewerkschaften und natürlich auch für Parteien. Dazu kommt, dass Politik es in diesen Zeiten mit komplexen Problemen zu tun hat, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Dies öffentlich gegenüber den Bürgern darzustellen, ist oft sehr schwer. Darunter leidet letztlich das Profil, die Unterscheidbarkeit der Parteien.

Frage: Was kann, was muss die CDU tun?

Müller: Wir müssen deutlich machen, dass wir eine konservative, eine liberale, aber auch eine soziale Partei sind. Die CDU kann nur erfolgreich sein, wenn sie für wirtschaftlichen Erfolg und soziale Gerechtigkeit gleichermaßen steht. Dieser Grundsatz muss bei allen Entscheidungen in Berlin erkennbar bleiben. Auch deshalb halte ich meine Forderung aufrecht, das Sparpaket der Bundesregierung stärker sozial auszubalancieren und den Spitzensteuersatz anzuheben. Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache.

Frage: Da wird die FDP kaum mitmachen.

Müller: Abwarten. Ich gehe davon aus, dass es im Zuge der parlamentarischen Beratungen des Sparpakets Bewegung geben wird und wir über einen Beitrag der Besserverdienenden noch einmal reden.

Frage: Als Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin trägt letztlich Angela Merkel die Verantwortung für den Zustand der CDU. Was macht sie falsch?

Müller: Merkel macht einen prima Job – als Parteivorsitzende und als Bundeskanzlerin.

Frage: Klingt seltsam: Der Partei geht es schlecht, aber die Chefin macht einen prima Job …

Müller: Die Entwicklungen, mit denen wir es zu tun haben, sind gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Die SPD hat darunter übrigens viel stärker gelitten als wir. Außerdem ist klar: Die derzeitige Lage der CDU hat nicht eine einzelne Person zu verantworten. Die Akzeptanzwerte Angela Merkels sind besser als diejenigen der CDU.