Es war Franz Müntefering, der als Arbeitsminister der Großen Koalition die Rente mit 67 durchgesetzt hatte. Nun will seine eigene Partei die umstrittene Erhöhung des regulären Renteneintrittsalters auf 67 Jahre aussetzen – der frühere SPD-Vorsitzende ist not amused .

In einem Brief an die Partei-Führung um den jetzigen Vorsitzenden Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warnte Müntefering vor einem Kurswechsel in der Rentenpolitik. Jetzt die Dynamik zur Erhöhung des Rentenalters zu unterbrechen, "wäre ein defensives Signal", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Schreiben.

Wie die Zeitung weiter berichtet, wirft Müntefering der neuen SPD-Spitze darin vor, die Rentenposition aus parteitaktischen, nicht aber aus sachlichen Gründen zu korrigieren. "Da alle Beteiligten die Wirkung eines Aussetzungsbeschlusses auf den Fortgang der Debatte in den kommenden Jahren, auch für die anstehenden Wahlkämpfe, kennen, ist das Augenzwinkern kaum zu übersehen. Gut für die Glaubwürdigkeit von SPD und Politik insgesamt ist das nicht", so Müntefering mit Blick auf die Reformvorschläge seines Nachfolgers Gabriel .

Dieser war zunächst auch in der SPD-Führung auf Ablehnung gestoßen. Insbesondere Fraktionschef Steinmeier hatte sich dagegen ausgesprochen. Nun aber hat sich die Parteispitze auf einen Kompromiss verständigt . Demnach soll die Rente mit 67 erst dann eingeführt werden, wenn mindestens 50 Prozent der 60- bis 64-Jährigen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben. Derzeit sind dies nur 21,5 Prozent. Bei den 64-Jährigen liegt die Beschäftigungsquote sogar unter 10 Prozent.

Müntefering machte der Süddeutschen zufolge deutlich, dass er diese Argumentation als unredlich empfinde. Im Streit um die Lebensarbeitszeit seien die "Fundamentalkritiker", die die Rente mit 67 grundsätzlich ablehnten , aus seiner Sicht ehrlicher, wenngleich sie in der Sache unrecht hätten.

Einen offenen Rentenstreit will die Partei unbedingt verhindern. Dazu soll bis zum Bundesparteitag der SPD am 26. September der Kompromiss der Parteispitze mit der Basis diskutiert werden. Die Ergebnisse sollen von einer Kommission unter Leitung des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, Ex-Arbeitsminister Scholz und dem Parteilinken Ottmar Schreiner zusammengefasst werden.