Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat wenige Tage vor seinem endgültigen Abschied aus der Politik in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf seine Karriere zurückgeblickt. Erstaunlich gut kam dabei der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) weg.

"Fischer war eine intellektuelle Herausforderung, er war ein unglaublich lernfähiger, guter Politiker – er hat nahezu jeden Fehler gemacht, aber immer nur ein Mal", sagte Koch in dem Gespräch. Fischer war 1985 Umweltminister der ersten rot-grünen Landesregierung in Hessen geworden. Koch zog 1987 erstmals in den hessischen Landtag ein, wo er Anfangs für Umweltpolitik zuständig war.

Heute kann Koch dieser Konstellation durchaus eine positive Seite abgewinnen. "Fischer war spannend und interessant. Das hat auch mich als seinen Gegenspieler spannend und interessant gemacht", sagte er. "Ich habe von der Person Fischer durchaus profitiert."

Eine Koalition zwischen Grünen und CDU auf Bundesebene sieht Koch zum gegenwärtigen Zeitpunkt dennoch kritisch. "Die Grünen müssen sich noch weiter verändern, bis sie für uns endgültig koalitionsfähig sind." Vor allem in der Außenpolitik oder bei den Fragen nach der Zukunft der Industriegesellschaft gebe es noch viel Trennendes.

Gleichwohl attestiert Koch den Grünen, in den vergangenen Jahrzehnten eine positive Entwicklung durchlaufen zu haben: "Die Grünen sind heute eine normale Partei im Rahmen des demokratischen Spektrums. Das waren sie 1985 eher noch nicht."

Seinen eigenen Rückzug begründete Koch damit, dass man in einer modernen Mediengesellschaft bestimmte Dinge nur eine bestimmte Zeit lang machen könne. Danach gebe es Abnutzungserscheinungen. Beispielsweise lasse sich keine inhaltliche Diskussion mehr führen, ohne dass diese personalisiert werde. So habe ihn gestört, dass ihm bei jeder Wortmeldung zu Finanzfragen unterstellt worden sei, er wolle eigentlich Bundesfinanzminister werden.

Koch kündigte an, er werde ein gesellschaftlich engagierter Mensch bleiben und sich auch in Zukunft politisch äußern. Zur Tagespolitik will er aber nicht mehr Stellung nehmen. Wer sich aus der aktiven Politik zurückgezogen habe, dürfe anschließend nicht am Wegrand stehen, und anderen zurufen, wie sie es machen müssten.

Koch war zwölf Jahre lang Landesvorsitzender der CDU in Hessen und elf Jahre lang Ministerpräsident. Seinen Rücktritt hat er zum 31. August eingereicht. An diesem Tag wird auch sein Nachfolger, der bisherige Innenminister Volker Bouffier, als neuer Ministerpräsident im Landtag vereidigt werden. Den Parteivorsitz hatte Koch bereits im Juni an Bouffier abgegeben. Beim CDU-Parteitag im November wird außerdem ein Nachfolger für Koch als stellvertretender Bundesvorsitzender gewählt werden.