Sigmar Gabriel distanziert sich in scharfer Form von seinem Parteikollegen, dem Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin , und legt ihm den Parteiaustritt nahe. Anlass sind erneute Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators über Ausländer und ihr Integrationsverhalten in Deutschland. Der SPD-Chef sagte während seiner Sommerreise nahe Worms, Sarrazin agiere in der Debatte mit "sprachlich gewalttätigen Aussagen" und fügte hinzu: "Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Mitglied sein will – das weiß ich auch nicht."

Er wolle nun prüfen, ob Sarrazins Zuordnung von Charakterisierungen zu bestimmten Bevölkerungsgruppen wie Afrikaner oder Asiaten nicht rassistisch sei.

Sarrazin hatte zuletzt mit Forderungen nach einer strengeren Auswahl bei der Zuwanderung von Muslimen wieder einmal für heftige Reaktionen gesorgt. Aus den Reihen der Grünen wurden ihm "Hasstiraden" vorgeworfen, der Interkulturelle Rat in Deutschland kritisierte, Sarrazin befürworte "die gesetzliche Diskriminierung von Muslimen".

Der Hintergrund: Der Bankmanager und frühere Berliner Finanzsenator veröffentlicht Ende dieses Monats ein Buch zur deutschen Integrationspolitik, Passagen daraus wurden vorab unter anderem im Magazin Der Spiegel veröffentlicht.

Im Deutschlandradio Kultur hatte der Bundesbank-Vorstand zudem gesagt: "Die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen." Für die Gesamtheit der "muslimischen Einwanderung" in Deutschland gelte "die statistische Wahrheit: In der Summe haben sie uns sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht haben."

Integration müsse deshalb eine Bringschuld von Migranten werden. "Wir müssen den Menschen, die bei uns leben, (...) alle Chancen geben, sich zu integrieren, wir müssen diese Chancen aber auch mit einem kräftigen Aufforderungscharakter verbinden", verlangte Sarrazin.

Ob die SPD aufgrund dieser und ähnlicher Äußerungen ein neues Parteiausschlussverfahren anstrengen wolle, ließ Gabriel offen. Ein solcher Schritt müsse im Zweifelsfall vor einem Gericht klar begründbar sein. Ein entsprechender Vorstoß war vor einiger Zeit bereits gescheitert.

Der Parteichef sagte weiter, er wolle aber auch die intellektuelle Auseinandersetzung über die Integrationspolitik.