Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Sarrazins Äußerungen, die "für viele Menschen in diesem Land nur verletzend sein können", hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "nicht ganz kalt gelassen". Dieser habe "sehr, sehr polemisch" zugespitzt. Seine Äußerungen seien überhaupt nicht hilfreich, um bei der Integration voranzukommen. Es bedürfe ihrer auch nicht, um bestimmte Probleme etwa bei der Bildung junger Migranten zu erkennen.

Der frühere Berliner Finanzsenator und jetzige Bundesbank-Vorstand hatte am vergangenen Dienstag im Deutschlandradio Kultur gesagt: "Die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen." Für die Gesamtheit der "muslimischen Einwanderung" in Deutschland gelte "die statistische Wahrheit: In der Summe haben sie uns sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht haben".

Sarrazin, der SPD-Mitglied ist, hatte wiederholt eine mangelnde Integrationsbereitschaft von Muslimen kritisiert . Damit hatte er sich besonders aus den eigenen Reihen Rassismus-Vorwürfe eingehandelt. Ein Parteiausschlussverfahren überstand er – die Berliner Landesschiedskommission hatte festgestellt, seine Äußerungen seien zwar problematisch, aber nicht rassistisch.

Nun legte ihm SPD-Chef Gabriel indirekt den Parteiaustritt nahe. Sarrazin agiere in der Debatte mit "sprachlich gewalttätigen Aussagen", sagte Gabriel. "Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Mitglied sein will – das weiß ich auch nicht." Er ließ aber offen, ob es ein neues Ausschlussverfahren geben werde.

Sarrazin veröffentlicht Ende dieses Monats ein Buch zur deutschen Integrationspolitik, Passagen daraus wurden vorab unter anderem im Spiegel veröffentlicht.