Lange hat die SPD über die Rente mit 67 diskutiert . Einem Bericht der Bild -Zeitung zufolge sollen sich zumindest die zwei führenden Köpfe der Partei auf einen Kompromiss geeinigt haben. Parteichef Sigmar Gabriel und der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hätten sich darauf verständigt, in ihrer Politik an der schrittweisen Einführung der Regelung bis zum Jahr 2029 festzuhalten. Allerdings solle die Verlängerung der Arbeitszeit frühestens 2015 beginnen und nicht wie noch von der Großen Koalition beschlossen schon 2012. Zudem seien Ausnahmen für besonders schwer arbeitende Beschäftigte vorgesehen, schreibt das Blatt und zitiert hierfür Gabriel.

Die Partei selbst dementierte eine solche Einigung. Dabei handle es sich um reine Spekulationen, sagte SPD-Vorstandssprecher Tobias Dünow in Berlin. Die Gespräche über eine Vereinbarung liefen noch. Eine Entscheidung falle erst am nächsten Montag im SPD-Präsidium. Auch die Bundestagsfraktion sprach von "Wasserstandsmeldungen". Der Sprecher der Parteilinken, Björn Böhning, nannte es "verwunderlich", dass über die Rententhema außerhalb der zuständigen SPD-Gremien in internen Kreisen geredet werden. Damit sollten offenbar Fakten vor dem Parteitag geschaffen werden

Dem Bericht zufolge wollen Gabriel und Steinmeier der engsten Parteiführung den gemeinsamen Vorschlag bereits am Sonntag vorlegen, der dann beim Parteitag im September beschlossen werden solle, hieß es weiter. Ob ihre Übereinkunft allerdings in der gesamten Parteispitze auf Zustimmung stößt, ist angesichts der Reaktionen offen. Zuvor hatte bereits Berlins Regierender Bürgermeister und SPD-Vize Klaus Wowereit für eine völlige Abkehr von der Rente mit 67 plädiert. Auch Partei-Vize Olaf Scholz will am Sonntag einen eigenen Vorschlag präsentieren.

Die beiden jetzt offenbar einigen SPD-Granden hatten bislang ebenfalss unterschiedliche Positionen vertreten. Gabriel hatte sich dafür ausgesprochen, die Rente mit 67 solange auszusetzen , bis ein größerer Anteil älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch Beschäftigung findet. Steinmeier hatte indes auf die Notwendigkeit einer längeren Lebensarbeitszeit verwiesen und den Beschluss aus der Zeit des Bündnisses mit der Union verteidigt. Zuletzt hatte er aber Kompromissbereitschaft signalisiert .

Nach geltendem Recht steigt das Renteneintrittsalter vom Jahr 2012 an für die Geburtsjahrgänge ab 1947 jährlich um einen Monat, womit 2023 das Eintrittsalter bei 66 Jahren läge. In den sechs Jahren darauf stiege der Rentenbeginn in Schritten von je zwei Monaten bis 2029 auf 67 Jahre. Das wäre dann in der Regel der frühestmögliche Beginn für eine Altersrente ohne Abschläge. Das Konzept wurde maßgeblich vom damaligen SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering vorangetrieben.

Die Bevölkerung kann mit dieser Regelung laut einer Umfrage des stern nichts anfangen: Gefragt, in welchem Alter Arbeitnehmer im Normalfall in Rente gehen sollten, nannte lediglich eine kleine Minderheit von 7 Prozent das Alter 67. Sehr viel mehr Bürger wünschen stattdessen ein noch früheres Renteneintrittsalter: 21 Prozent bezeichneten 62 Jahre als ideal, 24 Prozent würden sogar gerne sehen, wenn die Grenze bei 60 Jahren läge. Die meisten der Befragten (38 Prozent) sprachen sich für die derzeit gültige Regelaltersgrenze von 65 Jahren aus.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, hingegen hält an der schrittweisen Einführung der Rente mit 67 schon ab 2012 fest. "Ich will an den Zahlen nichts ändern, weil mir Generationengerechtigkeit sehr wichtig ist", sagte sie dem Kölner Stadt-Anzeiger . Von 2012 an solle pro Jahr ein Monat länger gearbeitet werden, bis das Ziel der Rente mit 67 im Jahre 2029 erreicht sei. "Wir sind gut beraten, an diesem moderaten Zeitplan festzuhalten", sagte Künast. Es sei jedoch zwingend, die Arbeitsmarktlage für die Älteren zu verbessern.