Die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für eine Abkehr von der Wehrpflicht stoßen in allen politischen Parteien auf Kritik. CDU-Politiker befürchten den Verlust eines ihrer politischen Markenzeichen. Der Bundeswehrverband sorgt sich im Falle einer Freiwilligenarmee um qualifiziertes Personal. Und die Grünen werfen zu Guttenberg Halbherzigkeit vor, weil er den Zwangsdienst für junge Männer offenbar nur aussetzen und nicht abschaffen will.

Der baden-württembergische CDU- Landtagsfraktionschef Peter Hauk mahnte in der Rhein-Neckar-Zeitung , die Wehrpflicht sei ein Markenzeichen der deutschen Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg. "Sie gehört auch zum Markenkern der Unionsparteien. "Sie kann man nicht mal eben über Bord werfen."

Nach einem Bericht des Spiegel wächst im Verteidigungsministerium der Widerspruch gegen Pläne des Ministers, im Zuge der neuen Reform einen der beiden beamteten Staatssekretärsposten zu streichen und entsprechend den Generalinspekteur aufzuwerten. Nach Ansicht von Juristen der Behörde verstoße das möglicherweise gegen das Grundgesetz. Schon aus historischen Gründen sei "eine solche Machtfülle des Militärs zu verhindern", zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten hohen Beamten im Ministerium.

Bundeswehrverbandschef Ulrich Kirsch, sagte im Deutschlandradio Kultur , eine Aussetzung der Wehrpflicht käme einer Abschaffung "sehr nahe". Dann könnte die Bundeswehr im "Kampf um die klügsten Köpfe und geschicktesten Hände" ins Hintertreffen geraten. "Wir stehen dann in Konkurrenz mit Firmen wie der BASF, BMW, aber auch wirklich guten mittelständischen und kleinen Unternehmen (...) Und die sind natürlich wesentlich flexibler, sich auf veränderte Lagen einzustellen als ein solch großer Apparat wie die Bundeswehr."

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, lehnte in der Rheinischen Post eine Verkleinerung der Bundeswehr im genannten Umfang ab. "Die Reduzierung der Bundeswehr um circa 40.000 Soldaten führt dazu, dass die Bundeswehr ihre Bündniszusagen nicht mehr einhalten kann", sagte Arnold. Im Kölner Stadt-Anzeiger schlug der SPD-Politiker einen Gesamtumfang von 200.000 Soldaten vor, davon 25.000 Grundwehrdienstleistende. Für sie soll aber auch nach dem Willen der SPD der Grundsatz der Freiwilligkeit gelten.

Für eine vollständige Abschaffung der Wehrpflicht plädierten die Grünen. "Ein Festhalten an der Wehrpflicht behindert die Weiterentwicklung und Modernisierung der Bundeswehr", schrieben unter anderem die Grünen-Politiker Omid Nouripour und Tom Koenigs laut Spiegel in einem Positionspapier. "Es geht um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, es geht um Fortbildungsmaßnahmen, es geht darum, dass die Soldaten das Gefühl haben, dass sie gesellschaftlich in ihrem Beruf anerkannt sind." Sinnvoll sei aber ein "freiwilliger militärischer Kurzdienst von zwölf bis 24 Monaten". 

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, befürwortete hingegen die Umgestaltung der Bundeswehr: "Der Minister hat mit seinen Plänen das Thema Wehrgerechtigkeit endlich angepackt", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Jetzt kommt es aber darauf an, den Freiwilligendienst attraktiv auszugestalten."

Auch Außenminister Guido Westerwelle unterstützte den Verteidigungsminister. Er sehe für dieses Modell gute Chancen, sagte der FDP-Chef der Bild am Sonntag . Derzeit leisteten nur noch etwa 16 Prozent aller jungen Menschen in der Bundeswehr Dienst. Der Vizekanzler verwies allerdings auf die noch ausstehende Diskussion in der Union.

Ex-Linksparteichef Oskar Lafontaine schlug eine Art Friedenstruppe in der Bundeswehr vor, die weltweit Naturkatastrophen und Unglücke bekämpft. Soldaten als sogenannte Grünhelme - besser ausgerüstet als das technische Hilfswerk - könnten humanitär intervenieren und die Folgen von Bränden, Überschwemmungen und Ölkatastrophen bekämpfen, sagte er der Sächsischen Zeitung . "Ich kann mir gut vorstellen, dass junge Leute, die den Dienst an der Waffe verweigern, gern bereit sind, bei Katastrophen in aller Welt zu helfen."

Die Pläne Guttenbergs sehen übereinstimmenden Medienberichten zufolge vor, die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten von derzeit nominell 195.000 auf 156.000 zu senken. Die Wehrpflicht solle formal erhalten bleiben, doch sollten nur Rekruten eingezogen werden, die sich freiwillig dazu bereit erklären. Die Planer rechnen demnach mit 7500 Freiwilligen pro Jahr. Insgesamt solle die Bundeswehr künftig noch etwa 165.000 Soldaten umfassen.