Guttenberg bevorzugt, wie er bekannt gab, Modell vier. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tendiert dazu, auch Modell eins weiter im Rennen zu halten und somit je nach Votum der CDU- und CSU-Basis der Wehrpflicht noch eine Chance zu geben, die über Jahrzehnte zum Kernbestand der Unions-Identität gehörte.

Welches Reformmodell sich durchsetzt, wird deshalb wohl vor allem von der Unions-Basis abhängen, bei der die Wehrpflicht weiter große Unterstützung genießt. CDU und CSU wollen auf Parteitagen über Guttenbergs Konzept beraten.

Das grundsätzliche Problem mit der aktuellen Struktur ist folgendes: Obwohl die Truppe insgesamt 252.000 Soldaten zählt, kann sie gleichzeitig nur zwischen 7000 und 8000 in den Auslandseinsatz schicken. Der Minister will die Streitkräfte "mehr vom Einsatz her denken". Das geht nur ohne Wehrpflichtige.

Denn deren Erfassung, Musterung und Ausbildung bindet mehr als zehntausend Mitarbeiter der Bundeswehr, sie können während ihres sechsmonatigen Wehrdienstes weder in den Einsatz geschickt noch anderswo nachhaltig beschäftigt werden. Zudem hat Guttenberg Zweifel, ob eine Einberufungsquote von 13 bis 16 Prozent auf Dauer verfassungsfest ist.

Darum ist er, der sich früher einen "glühenden Anhänger der Wehrpflicht" nannte, nun überzeugt, dass "die Diskussion schon seit Jahren überfällig ist und viel zu lange nicht mit der nötigen Intensität geführt wurde".

Dass die Kanzlerin jetzt erst einmal die bevorstehende Debatte abwarten wolle, reizte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zu der rhetorischen Frage, wo Angela Merkel denn in den vergangenen zehn Jahren war: Diese Debatte über den Sinn der Wehrpflicht sei "ja so uralt, dass jeder die verschiedenen Argumente, die es dafür und dagegen gibt, rauf und runter beten kann". Künast forderte Merkel auf, "sich nicht hinter Arbeitskreisen oder weiteren Debatten zu verstecken, sondern eine Entscheidung zu treffen".

Erschienen im Tagesspiegel