Die Grünen – wie auch die SPD – kritisieren, dass die Bundeswehr sich gerade auf die Verkürzung der Wehrpflicht auf sechs Monate einstellt, während der Verteidigungsminister in Interviews bereits neue Konzepte ins Spiel bringt. "Die Verkürzung der Wehrpflicht auf sechs Monate ist eine gravierende Fehlentscheidung. Sie steht einer zukunftsgerichteten Weiterentwicklung und Modernisierung der Bundeswehr im Wege", schreiben die Experten der Grünen. "Die Koalition aus Union und FDP blendet bei ihren Debatten die Frage nach der Zukunft der Bundeswehr aus und setzt mit faulen Kompromissen auf Gesichtswahrung der Koalitionspartner."

Damit bezieht die Oppositionspartei sich auf die Koalitionsverhandlungen. Die Liberalen hatten damals ein Ende der Wehrpflicht gefordert, die Union wollte bei einem neunmonatigen Dienst bleiben. Der Kompromiss waren dann sechs Monate – eine Zeitspanne, die zu Guttenberg bereits öffentlich kritisierte, die in der Armee auf Ablehnung stößt und die von der SPD als eine Art Wehrpraktikum bezeichnet wird.

Die Grünen gehen davon aus, dass der sechsmonatige Dienst weder der Truppe noch den jungen Männern nützt: "Aktuelle und erwartbare Konflikte und Bedrohungsszenarien erfordern gut ausgebildete professionelle SoldatInnen. Deutschland ist von Freunden umgeben und in multilaterale Bündnisse eingebunden. Nationale Alleingänge oder gar die Verteidigung des nationalen Territoriums sind quasi ausgeschlossen. Die allgemeine Wehrpflicht lässt sich vor diesem Hintergrund sicherheitspolitisch nicht mehr begründen."

Energisch widersprechen die Grünen Guttenberg auch energisch, wie viel Geld mit der Abschaffung der Wehrpflicht gespart werden könnte. Der Verteidigungsminister hatte von 400 Millionen Euro gesprochen. Die Experten der Grünen entgegnen, dass dies allein die Summe sei, die beim Wehrsold gestrichen werden könne. "Nicht berücksichtigt sind die Kosten für Wehrerfassungs- und Musterungsapparat, für Ausrüstung, Unterbringung und Ausbildung der Grundwehrdienstleistenden", heißt es in dem Positionspapier. "Hier kommt die Kommission ‚Europäische Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr’ auf ein Einsparpotential von etwa 3 Milliarden Euro pro Jahr nach einer gewissen Umstellungszeit."

Da die Bundeswehr nach einem Beschluss des Kabinetts mehr als acht Milliarden in den kommenden Jahren einsparen muss, wären drei Milliarden pro Jahr ausreichend, um die Vorgaben des Finanzministers zu erfüllen.

Dennoch wird Guttenberg wohl bei seinem Konzept bleiben, schon allein, um die Kritiker in der Union zu beruhigen. Die hatten am Wochenende ein Ende der Wehrpflicht einmal mehr als Beschädigung von CDU und CSU bezeichnet. Die Wehrpflicht wird deshalb wohl nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt werden. Gleichzeitig behält der Staat sich vor, weiterhin junge Männer einzuziehen, sollte sich die Sicherheitslage ändern. Während seiner Sommerreise kündigte zu Guttenberg bereits an: Mit ihm werde es kein Streichung der Wehrpflicht aus dem Grundgesetz geben. Letztendlich sollen Parteitage der CDU und CSU im Oktober und November über die Streitfrage abstimmen – bis dahin wird im Kabinett aber eine Entscheidung gefallen sein. Schließlich muss im September der Haushalt für das kommende Jahr festgezurrt werden und für die Einsparungen ist es entscheidend, welche Wehrform die Armee künftig hat.